Das Nass der Erde
Terje Tvedt: "Wasser. Eine Reise in die Zukunft". Sachbuch. Aus dem Norwegischen von Andreas Brunstermann. Ch. Links Verlag; 256 Seiten; 19,90 Euro.
Zwei Drittel der Erdoberfläche sind von Meer bedeckt, und die meisten Lebewesen bestehen überwiegend aus Wasser. Dennoch sollte man das feuchte Element keineswegs als Selbstverständlichkeit ansehen, meint der norwegische Geograf Terje Tvedt, 62. Er hat tibetische Gletscher besucht, aber auch Dhaka, die stickig-feuchte Hauptstadt des ständig von Überschwemmungen bedrohten Staates Bangladesch; er war am rasch schrumpfenden Aralsee in Zentralasien, im Wüstenstaat Oman, wo jeder Tropfen das Leben bedeutet, aber auch in einer Pariser Mineralwasserbar. Genug, um zu wissen, welcher Verschwendung und welch handfesten, ja blutigen Verteilungskämpfen das vielgestaltige Nass auf Erden ausgeliefert ist. Tvedt ist kein Bußprediger, der mit Schockszenarien und alarmierenden Hochrechnungen die nahe Endzeit verkündet. Er weiß, dass menschliche Dummheit und die Launen des Klimas sich nicht einfach planerisch bewältigen lassen werden. Die "Reise in die Zukunft" bleibt weitgehend eine Bestandsaufnahme. Gerade sein ruhiger, beschreibender Tonfall aber macht den Text überzeugend. Die Fahrt um den Globus endet denn auch nicht mit einem Aktionsprogramm für Politiker, sondern nur im behutsamen Appell, naturgerechter zu leben und zu denken. Banal? Von wegen. Wer dieses Album eindringlicher Beobachtungen gelesen hat, wird mit dem Stoff, der aus der Leitung gluckert, herabrieselt, aber eben auch Dämme fortspülen kann, achtsamer, ja liebevoller umgehen als bisher - und das dürfte erheblich mehr nützen als heroische, doch kurzlebige Entschlüsse.
KulturSPIEGEL 10/2013
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