30.09.2013

Von Keller, Maren

Mutter im Geiste

Gail Parent: "Sheila Levine ist tot und lebt in New York". Roman. Aus dem Amerikanischen von Uta Goridis. Metrolit; 304 Seiten; 12,99 Euro.

Nach dem Uni-Abschluss hofft Sheila Levine in New York nur eines zu finden: Und dieses eine ist nicht eine tolle Karriere oder ein schickes Loft oder ein aufregendes Leben, sondern ein Ehemann. Das jedoch ist nicht so einfach. Vor allem nicht für eine Frau wie Sheila Levine, die generell nicht gerade unfallfrei durchs Leben schwebt. Und außerdem auch nicht die Schlankste oder Hübscheste ist. Weil ihr das Leben ohne Ehemann aber absolut beschämend und sinnlos erscheint, beschließt Sheila Levine, dass sie genauso gut sterben könnte.

Für wen das klingt, als müsse Sheila Levine aus den Siebzigern stammen - der hat recht. "Sheila Levine ist tot und lebt in New York" erschien ursprünglich im Jahr 1972, und das merkt man diesem Buch auch in jeder Zeile an. Nun ist der Roman zum ersten Mal auch auf Deutsch erschienen. Endlich, muss man sagen. Denn so veraltet das Frauenbild sein sollte, so zeitlos ist der lakonische Witz, mit dem Sheila Levine von ihrem fürchterlichen Fettnäpfchen-Single-Leben erzählt. Ein Fest für jeden Freund der schlechten Laune und der Selbstironie. "Falls jemand glaubt, es wäre doch noch alles gut geworden, so muss ich ihm widersprechen, auch mein zweites Jahr in New York war ein Reinfall" - so klingen die positiven Sätze in diesem Buch.

Sheila Levine ist damit so etwas wie die Mutter im Geiste jeder Bridget Jones oder Carrie Bradshaw (nur dass sie der ihren Humor nicht weitervererbt hat). Und leider müssen wir mit denen vorliebnehmen, obwohl man doch viel lieber wüsste, was aus Sheila Levine geworden ist. Vieles spricht dafür, dass sie in Würde gealtert ist. Denn der größte Erfolg der Autorin Gail Parent, heute selbst 73, ist die Fernsehserie "Golden Girls".


KulturSPIEGEL 10/2013
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