Olaf Kühl: "Der wahre Sohn". Roman. Rowohlt Berlin; 480 Seiten; 24,95 Euro.
Ein später Bruder der kalifornischen Privatdetektive aus den Romanen von Raymond Chandler oder Dashiell Hammett ist der vom Leben lädierte Schnüffler Konrad Krynitzki, der sich von Berlin aus auf die Suche nach einem offenbar geklauten Luxusauto macht und in Kiew landet. Der als Übersetzer unter anderem aus dem Polnischen sehr angesehene Autor Olaf Kühl, Jahrgang 1955, beschwört in seinem zweiten Roman eine zwar von Kriminalität und Vergangenheitsgespenstern gepeinigte, aber krachend vitale Wuselgesellschaft. Der Held trifft in der Ukraine auf eine höchst merkwürdige, aber sehr reizvolle Witwe namens Svetlana und deren Sohn, der in einem Irrenhospital zu Hause ist; vor allem aber hadert er mit den Dämonen der eigenen Familiengeschichte. Während er in abenteuerliche Verstrickungen gerät, begreift er eine Spur zu langsam, "dass dies eine Fahrt ins Nirgendwo werden konnte". Trotz mancher Temposchwächen und eines bisweilen gestelzten Tons gelingt Kühl eine kunstvoll komponierte Detektivstory, deren Held im Wilden Osten zwar nicht das Glück, aber eine Art von Durchblick findet.
Im wilden Osten
KulturSPIEGEL 10/2013
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