Die letzte Schlacht
James Salter: "Alles, was ist". Roman. Aus dem Amerikanischen von Beatrice Howeg. Berlin Verlag; 368 Seiten; 22,99 Euro.
Viel zu oft ist im Zusammenhang mit dem Erscheinen eines Buches von einem "Ereignis" die Rede. Wenn aber der mittlerweile 88-jährige US-Amerikaner James Salter erstmals seit mehr als 30 Jahren, seit der Publikation der Bergsteiger-Geschichte "In der Wand", einen neuen Roman veröffentlicht, dann ist das in der Tat ein Ereignis. Salters Roman "Lichtjahre", im Original 1975 erschienen, gehört zum Kanon der amerikanischen Literaturgeschichte. Salter ist ein subtiler, eleganter Stilist, der mit scheinbar leichter Hand Existenzen in ihren Erschütterungen nachzuzeichnen vermag. Nun also "Alles, was ist". Ein Roman, in dessen Sprache man Salter sofort wiedererkennt und der anhebt mit der Beschreibung einer Schlacht: Philip Bowman, Leutnant zur See, nimmt an der letzten, entscheidenden Schlacht gegen die japanische Armee teil, "der Geruch von Tod und verbrannten Trümmern lag in der Luft", und kehrt anschließend zurück nach New York. Es ist eine Zeit, in der alles möglich erscheint, eine Zeit der offenen Zukunft. Bowman wird Lektor in einem angesehenen Verlag, er heiratet, hat erotische Abenteuer, wird von seiner Frau hinters Licht geführt und geschieden, bewegt sich in einer Welt gesättigter Intellektualität: Partys, Restaurants, Hotelzimmer, Affären. Darüber vergeht die Zeit. Mal schnurren auf wenigen Seiten ganze Jahre zusammen, mal dehnt Salter die Augenblicke in die Breite. Es geht ihm nicht um die Zusammenführung von privatem Erleben und Zeitgeschichte. Salter schreibt keine Chroniken, sondern Porträts. Man bemerkt oft erst auf den zweiten Blick, mit welcher sanften Unbarmherzigkeit er seinen Figuren zuleibe rückt. Milde Ironie ist nicht seine Sache. Dafür hat Salter vielleicht auch zu viel erlebt und erkannt.
KulturSPIEGEL 10/2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.
Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://corporate.spiegel.de finden Sie Angebote für die Nutzung von SPIEGEL-Content zur Informationsversorgung von Firmen, Organisationen, Bibliotheken und Journalisten.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizenzieren.
Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.
Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Bei Spodats erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.