30.09.2013

Pop, Punk, Mittelalter

Die Wahl-Berlinerin Jen Ray lässt grausame Amazonen in höllische Kämpfe ziehen.
A ggressiv sind die Frauen, die sich in den Zeichnungen von Jen Ray ihre eigene Welt schaffen und die dafür kämpfen, dass sie auch genau so wird, wie sie sich diese vorgestellt haben. "Ja, sie sind destruktiv", sagt Ray, 42, "aber ich will, dass meine Charaktere das machen, was sie machen müssen, ich will sie nicht zurückhalten." Und so zeichnet sie mit viel schwarzem Humor, mit grandiosem Strich und in wunderschönen Aquarellfarben höllische Phantasieszenarien, die von Amazonen bevölkert sind, die stets unglaublich grausam und gleichzeitig elegant und stark aussehen. Glamourös mit blanker Brust, in Capes oder mittelalterlich kostümiert, eine Zigarette im Mund oder ein Telefon in der Hand, ziehen sie in den Kampf gegen Gegner, die man nicht sieht. Kriegerinnen und Pin-up-Mädchen sind sie, in einer Märchenwelt zwischen Pop, Punk, Mittelalter und Sex. Sie habe immer starke Frauen gezeichnet und gemalt, sagt Ray, vielleicht, weil sie viele "Alter Ego" quasi als Verstärkung für sich kreieren wollte. Vorstellen kann man sich das nicht. Denn Ray, seit acht Jahren in Berlin lebende US-Amerikanerin, hatte mit ihren Zeichnungen Schauen von Paris bis New York. Sie macht den Eindruck einer selbstbewussten Frau, die genau weiß, wie ihre Welt aussehen soll - zumindest in ihrer Kunst.
Jen Ray. Better to Reign in Hell than Serve in Heaven. Berlin. Haus am Lützowplatz. Bis 10.11., www.hal-berlin.de
Von Wiensowski, Ingeborg

KulturSPIEGEL 10/2013
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