Verschleiertes Kunstwerk
Der Regisseur Robert Borgmann geht in seinen Arbeiten vor allem von Atmosphären aus. In Stuttgart inszeniert er nun "Onkel Wanja".
I n London hat er am Royal College of Art studiert, an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch war es dann der Studiengang Regie. Über Tschechows "Onkel Wanja" sagt der Regisseur Robert Borgmann, dieses einer melancholischen Übergangsgesellschaft gewidmete Stück wirke auf ihn "wie ein impressionistisches Kunstwerk, über dem ein Schleier liegt". Es versteht sich, dass er mehr am Schleier interessiert ist und weniger daran, ihn zu lüften. Borgmann ist 33 und hat sich bislang mit ganz unterschiedlichen Theatertexten beschäftigt. Für das Leipziger Centraltheater war es Arnold Bronnens "Vatermord", am Kölner Schauspielhaus "Wir Kinder von Theben" frei nach Euripides und am Berliner Maxim Gorki Theater der "Macbeth" noch freier nach Shakespeare. Dort, am kleinsten Schauspielhaus der Hauptstadt, hat er in den vergangenen Jahren konstant gearbeitet. Jetzt, da der bisherige Gorki-Chef Armin Petras als Intendant ans Stuttgarter Staatsschauspiel gewechselt ist, ist Borgmann mit dabei - und zwar in der ersten Reihe. Mit Tschechows "Onkel Wanja" wurde ihm zum Neustart gleich eine der großen Inszenierungen anvertraut. Das ehrt, kann aber auch ungeheuren Druck erzeugen. Doch er gibt sich gelassen. "Entscheidend ist doch nicht die Platzierung einer Premiere, sondern dass die Schauspieler verstanden haben, was ich will", meint er und fügt an, bei seiner Arbeitsweise sei das so selbstverständlich nicht. Borgmann ist immer auch sein eigener Bühnenbildner und geht eher von Atmosphären und Energien, weniger von Dialogen aus. Sein Bild für den "Wanja", so viel verrät er, ist eine große Sonne aus Hunderten von Neonröhren. Ansonsten sind da vorläufig nur Stühle.
Onkel Wanja.
Premiere am 27.10. im Schauspielhaus Stuttgart, Tel. 0711/20 20 90.
KulturSPIEGEL 10/2013
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