Unsere schöne Hölle
So bunt und doch so böse: Frauke Finsterwalders gnadenlose Heimatfilmsatire "Finsterworld".
M it diesem Deutschland kann etwas nicht stimmen. Zu viel Farbe, zu viel Sonne, die Landschaft leuchtet geradezu. Ein Polizist, der einen verzweifelten Verkehrssünder ziehen lässt. Ein Ehepaar, das nach 20 Jahren noch miteinander lachen kann. Ein Lehrer, der seinen Schülern ernsthaft etwas beibringen möchte. Das Deutschland in Frauke Finsterwalders Spielfilmdebüt "Finsterworld" ist eine schöne, heile Welt. Aber niemand weiß, ob so nicht auch die Hölle aussieht. Denn die strahlende Oberfläche ist gefährlich brüchig. Und darunter lauert nichts als tiefschwarzer Abgrund.
Das Ehepaar (Corinna Harfouch, Bernhard Schütz) verachtet das Land fast so sehr wie den eigenen Sohn. Der Polizist (Ronald Zehrfeld) erkennt, wie wenig er seine Freundin (Sandra Hüller) liebt. Der Lehrer (Christoph Bach) hat von seinen Schülern nur Hass zu erwarten. Nicht alle Helden der ineinandergehäkelten Episoden erwartet ein böses Ende, aber bei Finsterwalder und ihrem Co-Drehbuchautoren (und Ehemann) Christian Kracht muss jeder mit dem Schlimmsten rechnen. "Finsterworld" hat für gute Menschen so wenig Gnade übrig wie für die schlechten. Eine bunte, böse Satire zwischen Horror- und Heimatfilm. Anders als alles, was das deutsche Kino gerade zu bieten hat. Besser.
Finsterworld
Start: 17.10.
KulturSPIEGEL 10/2013
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