Sehr böse, sehr brutal
"Grand Theft Auto V" rechnet mit dem amerikanischen Traum ab.
S chießen, Autos klauen, um die Wette rasen: ja, alles wie gehabt. Auch wie gehabt: In der neuen Ausgabe der "Grand Theft Auto"-Reihe geht es um viel mehr als nur um Action. Das Spiel seziert den amerikanischen Traum, wie die TV-Serien "Breaking Bad" oder "Daily Show" von Jon Stewart, und ist ein bitterböser Kommentar zum Zustand der Welt. Den demonstriert es anhand von drei Protagonisten: Michael, ein reicher, alternder Mafioso im Zeugenschutzprogramm, Franklin, ein junger Schwarzer aus dem Ghetto, und Trevor, ein Psychopath und Choleriker. Alle sind Verlierer, die davon träumen, Gewinner zu werden. Sie treffen in der Scheinwelt Südkaliforniens aufeinander, im fiktiven San Andreas, und so kollidieren Glitzerwelt und Drogenghetto, Megakonzern und Provinz. Reiche stellen sich übers Gesetz, die Kleinen haben keine Chance. Zahn-Folter, ein vom Bomben-Handy weggesprengter Kopf, alles scheint recht, um zum eigenen Ziel zu kommen. Sehr böse und sehr brutal rechnet das Spiel mit Politik und Gesellschaft ab und zieht Spieler gleichzeitig in diese Welt hinein. Oder lässt sie auch manchmal nur Musik hören, Auto fahren oder Yoga machen. "Grand Theft Auto V" wird international von Kritikern bejubelt. Zu Recht: Es ist so ambitioniert wie einzigartig.
"Grand Theft Auto V"
von Rockstar Games
KulturSPIEGEL 10/2013
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