28.10.2013

Dann eben zu zweit

Wenn Kino einfach Spaß macht: Axel Ranischs spektakulär geglückte Vater-Sohn-Geschichte „Ich fühl mich Disco“.
F lori hat Übergewicht und ist in der Pubertät, aber er ist nicht unglücklich. Wie er weiß, sind dicke Kinder schwerer zu kidnappen, so steht es auf der Postkarte über seinem Bett. Und zur Not malt ihm seine Mutter Monika einen Bart auf, und sie singen gemeinsam Schlager von ihrem Lieblingssänger Christian Steiffen. Sein Vater Hanno, Trainer für Wasserspringen, findet das seltsam, aber solange seine Frau die Erziehung übernimmt, beschwert er sich nicht. Doch dann fällt Monika (Christina Grosse) um und steht nicht mehr auf, vielleicht nie mehr. Hanno (Heiko Pinkowski), der Macho, und Flori (Frithjof Gawenda), der Traumtänzer, sind allein miteinander. Sie wissen, dass das nicht gutgehen kann. Dass sich Flori auch noch in einen Schüler seines Vaters verliebt, macht die Sache nicht einfacher.
"Ich fühl mich Disco" von Axel Ranisch ("Dicke Mädchen") ist ein Film über den Abschied von einem geliebten Menschen, und trotzdem gibt es nur wenige Filme, die so viel Spaß machen. Ranisch hat unendlich viele absurde und surreale Ideen, und fast alle sind gut. Es ist ein langer Weg, bis Flori und Hanno begreifen, wie lieb sie einander haben. Aber sie gehen ihn so tapsig, dass man oft nicht weiß, ob man vor Rührung feuchte Augen bekommt oder weil "Ich fühl mich Disco" so witzig ist. Im Zweifelsfall beides.
Ich fühl mich Disco
Start: 31.10.
Von Sander, Daniel

KulturSPIEGEL 11/2013
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