24.02.2014

Neue Filme im März

AB 27.2.
Jack Ryan: Shadow Recruit. Regie: Kenneth Branagh. Mit Chris Pine.
Der junge Dr. Ryan, Ex-Marine und CIA-Analyst, entdeckt ein Terrorkomplott Russlands gegen die US-Wirtschaft und eilt zum Spionieren nach Moskau - wo Regisseur Sir Kenneth selbst als Klassenfeind auftritt und Thrillerautor Tom Clancy aufleben lässt. Der ersann zwar einst die erwachsene Version der Titelfigur, nicht aber dieses durchsichtige Hightech-Verschwörungskonstrukt.
Philomena. Regie: Stephen Frears. Mit Judi Dench, Steve Coogan.
Charmante Mischung aus Komödie und kirchenkritischer Enthüllungsstory, in der Judi Dench nach wahren Begebenheiten eine Frau spielt, der ihr Kind im Irland der Fünfziger erst von Klosterschwestern weggenommen und dann für tot erklärt wurde - dabei hatte man den Knaben an Adoptiveltern in den USA verscherbelt. Jahrzehnte später macht sie sich mit einem abgehalfterten britischen Journalisten auf die Suche. Gemeinsam bringen sie Schweigende zum Sprechen und noch den hartherzigsten Zuschauer zum Mitlachen und Mitheulen.
AB 6.3.
Im August in Osage County. Regie: John Wells. Mit Meryl Streep, Julia Roberts, Ewan McGregor, Juliette Lewis.
Theaterverfilmung über eine sehr, sehr angeknackste amerikanische Familie in Oklahoma, die anlässlich des Patriarchen-Tods zusammenfindet, um noch mal so richtig miteinander abzurechnen. Mit spektakulärer Starbesetzung, die gelegentlich etwas außer Kontrolle gerät.
A Floresta de Jonathas - Im dunklen Grün. Regie: Sérgio Andrade. Mit Francisco Mendes.
Jonathas kümmert sich um den elterlichen Obststand an einer Straße in Amazonien. Und folgt doch viel lieber jungen Touristinnen, die ihn zum Zelten in den Urwald einladen. In dem wird er sich verlieren. Stimmig fotografierter, magischer Zivilisationsfatalismus.
Alles inklusive. Regie: Doris Dörrie. Mit Hannelore Elsner, Nadja Uhl.
Als die spanische Küste noch aus einsamen Küstenorten bestand, ging dort ein junges Hippie-Mädchen mit Tochter eine verhängnisvolle Affäre mit einem verheirateten Mann mit Sohn ein. Jahre später treffen die vier in der All-inclusive-Hölle wieder zusammen. Leider wird der Film nicht müde zu zeigen, wie sehr die Vergangenheit alle vier verkorkst hat, so dass dem Zuschauer bald keine andere Identifikationsfigur bleibt als die des Doktor Freud - des Hundes der inzwischen erwachsenen Tochter, der auch keine andere Wahl hat, als sich die ganzen Probleme stundenlang anzuhören.
Grand Budapest Hotel. Regie: Wes Anderson. Mit Ralph Fiennes, Tony Revolori, Jude Law, Tilda Swinton.
Bittersüße Farce über ein altes europäisches Grand Hotel und seinen ehrenwerten Chef-Concierge, die gemeinsam dunkelste Kriegszeiten zu überstehen versuchen. Typischer Wes-Anderson-Humor im Geiste der "Royal Tenenbaums", ausschweifend, unendlich phantasievoll, wunderschön.
Saving Mr. Banks. Regie: John Lee Hancock. Mit Emma Thompson, Tom Hanks, Colin Farrell, Paul Giamatti.
Wie Walt Disney die australische Autorin P. L. Travers 1961 nach Los Angeles lockt, um ihr die Rechte an "Mary Poppins" zu entringen. Das folgende Weichklopfen der stacheligen Dame lebt von den Betörungsmanövern des Film-Gurus, Kindheitserinnerungen der Dichterin und Tom Hanks und Emma Thompson. Großes Kino-Vergnügen um Tatsachen mit Disney-Touch.
AB 13.3.
Die Bücherdiebin. Regie: Brian Percival. Mit Sophie Nélisse, Geoffrey Rush.
Acht Millionen Mal verkauft, in 30 Sprachen übersetzt: Markus Zusaks Jugendbuch ist ein veritabler Bestseller. Der Clou: Niemand Geringerer als der Tod erzählt die Geschichte der lütten Liesel, die während des Zweiten Weltkriegs bei Pflegeeltern aufwächst und gern Bücher klaut. Im Keller aber ist ein Jude versteckt. Aufwendig produziert, gut gespielt, ernsthaft inszeniert, tränentreibend und beklemmend. Kurzum: eine gelungene Buchverfilmung.
Mittsommernachtstango. Regie: Viviane Blumenschein.
Aki Kaurismäki hat einmal behauptet, der argentinische Tango sei eigentlich in Finnland erfunden worden. Für die Dokumentarfilmerin Blumenschein Grund genug, drei Musiker aus Buenos Aires auf einen Road-Trip quer durch Finnland zu schicken, um die Eigenarten seiner Tango-Landschaft zu erforschen. Selbstironische Culture-Clash-Doku.
Vampire Academy. Regie: Mark Waters. Mit Zoey Deutch, Lucy Fry.
Wer immer schon wissen wollte, warum Vampire so gebildet sind und sich auf Karate verstehen: Sie waren vorher auf einer branchenspezifischen Highschool. So wie Rose und Lissa, die als blutdurstige Teenies auf der titelgebenden Akademie einchecken. Lange Nächte, flotte Partys, schnuckelige Jungs - und ganz viele Feinde. Fatal: Hier wird so viel geredet, dass man schon bald das Interesse verliert. Keine Action, keine Spannung. So wird das nichts mit dem Abitur.
AB 20.3.
Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand. Regie: Felix Herngren. Mit Robert Gustafsson.
Nach dem Roman von Jonas Jonasson, den ja offenbar fast jeder gelesen hat: Ein sehr alter Mann und passionierter Pyromane büxt aus dem Heim aus und erzählt Geschichten aus seinem bewegten Leben und von seinen Bekanntschaften mit Leuten wie General Franco, Oppenheimer und Stalin. Wie eine Highlight-Sammlung aus dem Buch, kompetent, aber inspirationslos. In Schweden schon ein Blockbuster.
Kreuzweg. Regie: Dietrich Brüggemann. Mit Lea van Acken, Florian Stetter.
Ein junges Mädchen versucht den strengen Regeln seiner ultrakonservativen katholischen Gemeinde gerecht zu werden und plant die Selbstopferung an Gott, um den kranken Bruder zu retten. Erzählt in 14 statischen, grandios komponierten Einstellungen, angelehnt an die Passion Christi. Eine Offenbarung.
Lone Survivor. Regie: Peter Berg. Mit Mark Wahlberg, Taylor Kitsch.
Harte Verfilmung eines realen Vorfalls um einen Trupp Navy-Seals, der bei einem Einsatz in einem afghanischen Bergwald von Taliban zusammengeschossen wird. Das Kriegsdrama beleuchtet Macho-Abenteuergeist, US-Militärverklärung, Überlebenskampf und Zusammenhalt - und Fragen nach dem Sinn solcher Einsätze.
Die Moskauer Prozesse. Regie: Milo Rau.
Mit einer Musikerin von Pussy Riot, echten Rechtsradikalen, echten Kirchenleuten und echten Moskauer Demokratiekämpfern stellt der Schweizer Theatermacher Milo Rau im März 2013 in einem Moskauer Ausstellungsraum drei Prozesse mit Zensurwirkung nach, die das gesellschaftliche Klima in Russland geprägt haben. Man sieht hier viele sprechende Köpfe, lernt dafür aber auch viele kluge Gedanken kennen, und mittendrin spielt Rau clever die Rolle eines neugierigen Conférenciers.
Suzanne. Regie: Katell Quillévéré. Mit Sara Forestier, Adèle Haenel.
Seit dem Tod ihrer Mutter halten die beiden Schwestern Suzanne und Maria eisern zusammen, der Fernfahrer-Vater schmeißt den Haushalt. Mit 17 wird Suzanne schwanger - und dann brennt sie mit dem Kleinganoven Julien durch. Ein wuchtiges, anspruchsvolles, 25 Jahre umspannendes Drama über Lebenssinn und Liebesglück, über Freude und Verzweiflung. Sehr, sehr sehenswert.
AB 27.3.
Her. Regie: Spike Jonze. Mit Joaquin Phoenix, Rooney Mara.
Professioneller Liebesbriefautor hat es im echten Leben nicht so sehr mit zwischenmenschlichen Kontakten und verliebt sich in die rauchige Stimme seines neuen Betriebssystems, im Original gesprochen von Scarlett Johansson. Entrückter, ganz und gar entzückender Sci-Fi-Liebesfilm für Romantik-Nerds.
Willkommen bei Habib. Regie: Michael Baumann. Mit Vedat Erincin.
Vier Männerschicksale, verbunden in einer Nacht in Habibs Döner-Bude am Stuttgarter Wilhelmsplatz: ein geschasster Manager im Sitzstreik; ein alter Mann auf der Suche nach seiner Tochter. Und während der überintegrierte Habib seinen Döner schon fast mit Sauerkraut serviert, plant Sohn Neco den Ausbruch zurück in die Türkei. Heiter-melancholische Short Cuts um deutsch-türkischen Heimatverlust und Lebenslügen.
Zwischen Welten. Regie: Feo Aladag. Mit Ronald Zehrfeld.
Nach dem Anschlagstod seines Bruders kehrt ein labiler Kommandant nach Afghanistan zurück, um diesmal alles besser zu machen. Handwerklich beeindruckender Kino-Kraftakt um den Sinn von Bundeswehrauslandseinsätzen mit einem haarsträubend überreizten Drehbuch.

KulturSPIEGEL 3/2014
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