31.03.2014

Filme im April

AB 3.4.
A Long Way Down. Regie: Pascal Chaumeil. Mit Pierce Brosnan, Imogen Poots, Toni Collette, Aaron Paul.
Nick-Hornby-Verfilmung um vier Fast-Selbstmörder, die sich auf einem Londoner Hochhausdach treffen, es sich noch mal anders überlegen und danach versuchen, sich gegenseitig zu mehr Lebensfreude anzustacheln. Der Film erlebt derweil den Absturz von der amüsanten Farce zum süßlichen Erbauungskitsch.
Molière auf dem Fahrrad. Regie: Philippe Le Guay. Mit Fabrice Luchini.
Einst war Serge ein gefeierter Bühnenstar, nun lebt er auf einer idyllischen Insel vor der französischen Küste. Sein alter Kumpel Gauthier, in die gruseligen Niederungen des Fernsehens abgesunken, braucht ihn allerdings für eine Inszenierung von Molières "Menschenfeind". Smart geschriebene und gespielte Tragikomödie, in der Molières berühmtes Stück als Folie für eine komplizierte Freundschaft dient. Allerdings garniert mit einigen vollkommen unnötigen Abstechern in Richtung Klamauk.
Nymphomaniac 2. Regie: Lars von Trier. Mit Charlotte Gainsbourg, Shia LaBeouf, Jamie Bell.
Wer sich nach dem Banalitäten-Feuerwerk des ersten Teils tatsächlich noch für die zweite Hälfte von Lars von Triers pseudointellektuellem Pseudoporno interessiert, bekommt hier tatsächlich einen zumindest streckenweise unterhaltsamen Film geboten - vor allem dank Jamie Bells verstörend-amüsantem Auftritt als gnadenloser Sado-Maso-Meister, mit dem er sich endgültig von seiner "Billy Elliot"-Vergangenheit freipeitschen darf.
Rio 2 - Dschungelfieber. Regie: Carlos Saldanha.
Er ist blau und heißt auch so: Der seltene Papagei Blu, der vor drei Jahren in Teil 1 von Minnesota nach Rio verfrachtet wurde, erkundet nun mit der ganzen Familie den Dschungel des Amazonas. Auf Abenteuerurlaub sozusagen. Sprechende Piepmätze mit Kulleraugen, viel Slapstick, Musik und Tempo, dazu superscharfes 3-D - eine sichere Sache.
Snowpiercer. Regie: Bong Joon-ho. Mit Chris Evans, Jamie Bell, Tilda Swinton.
Die Endzeit-Eisenbahn rauscht seit Jahren um die eisige Erde, an Bord überlebt der disparate Rest der Menschheit. Bis versklavte Zugarbeiter aus den hinteren Waggons gegen ihre reichen Mitreisenden aus der Luxusklasse revoltieren. Reizvolle Polit-Parabel mit einer Prise "Soylent Green"-Grusel und einfallsreicher Ausstattung.
AB 10.4.
Die Bestimmung - Divergent. Regie: Neil Burger. Mit Shailene Woodley, Theo James, Kate Winslet.
Im Chicago der mehr oder weniger fernen Zukunft ist die Gesellschaft in fünf Fraktionen aufgeteilt: die Mutigen, die Ehrlichen, die Wissbegierigen, die Selbstlosen und die Harmoniesüchtigen - wer nicht ins System passt, wird gejagt. So wie die jugendliche Heldin Tris, die von den öden Selbstlosen zu den Mutigen wechselt, in Wirklichkeit aber eine Unbestimmte ist. Meist ist sie aber eh damit beschäftigt, für ihren superschnuckeligen Ausbilder zu schwärmen. Außergewöhnlich lahmer Abklatsch von "Die Tribute von Panem", nach dem Bestseller von Veronica Roth.
The Lego Movie. Regie: Phil Lord, Chris Miller.
Die gutmütige Lego-Figur Emmett wird von Freiheitskämpfern entführt, die in ihm die Inkarnation des lange prophezeiten Meisterbaumeisters sehen, der gegen den bösen Lord Business antreten soll. Letzterer hat nämlich vor, die in der Lego-Welt schlimmste aller vorstellbaren Waffen einzusetzen: Klebstoff. Jaja, das ist alles eigentlich nur ein gigantischer Lego-Werbespot, aber auch ein wahnsinnig gut gemachter. Sehr lustig, sehr liebenswert und sehr, sehr süß.
Die Poetin. Regie: Bruno Barreto. Mit Miranda Otto.
Diese Poetin ist niemand Geringeres als die US-amerikanische Lyrikerin Elizabeth Bishop (1911-1979). 1951 besucht die scheue, verklemmte Frau ihre Studienfreundin Mary in Rio de Janeiro und verknallt sich in deren Lebensgefährtin, eine renitente Architektin. Ungewöhnliche Dreiecksgeschichte, manchmal zu hastig erzählt, mit tollen Breitwandbildern.
Spuren - Tracks. Regie: John Curran. Mit Mia Wasikowska.
Wie die Aussteigerin Robyn Davidson vor 40 Jahren zur Kamel-Lady wurde und mit ihren vier höckrigen Gefährten, einem Hund und einem Fotografen von "National Geographic" 2700 Kilometer australische Wüste durchquerte, wurde durch ihren Reisebericht "Spuren" zum Weltbestseller. Die epische Verfilmung macht die Hitze und Sehnsucht jenseits der Zivilisation nun auch für moderne Nomaden spürbar. Weiblicher Selbstfindungstrip mit einer starken Mia Wasikowska.
Stiller Sommer. Regie: Nana Neul. Mit Dagmar Manzel, Ernst Stötzner, Victoria Trauttmansdorff.
Die erfolgreiche, aber unglückliche Kunsthistorikerin Kristine verliert plötzlich ihre Stimme und flieht ins Ferienhaus nach Südfrankreich, wo sich aber schon ihre Tochter samt neuem Freund eingenistet hat. Letzterer findet auch an der Mutter Gefallen, was wiederum deren ebenfalls angereisten Ehemann stört. Gemeinsam geht man sich erst gegenseitig auf die Nerven und gräbt dann emsig die familiären Lebenslügen aus. Elegant gespielte, komische bis verstörende Szenen einer Ehe und eines spektakulär missglückten Sommerurlaubs.
AB 17.4.
Circles. Regie: Srdan Golubovic. Mit Aleksandar Bercek, Leon Lucev, Nebojsa Glogovac, Nikola Rakocevic, Hristina Popovic.
Während des Balkankonflikts wird auf einem Marktplatz in Bosnien-Herzegowina ein Kioskbesitzer von serbischen Soldaten attackiert; einer ihrer Kameraden stirbt, als er dem Mann helfen will. Die preisgekrönte Reflexion über die Spätfolgen dieser Untat, über Heldentum, Schuld und Versöhnung, basiert auf realem Geschehen und ist als zwölf Jahre umspannendes Handlungsgeflecht konstruiert, das sich erst nach und nach in allen Facetten erschließt.
Dom Hemingway. Regie: Richard Shepard. Mit Jude Law, Richard E. Grant, Emilia Clarke.
Respektlos, brutal und gefährlich: Dom Hemingway ist der böseste Safeknacker in England, aber auch der beste. Kaum aus dem Gefängnis entlassen, rast er nach Frankreich, um seinem Boss die Leviten zu lesen. Keine so gute Idee. Furioser Brit-Krimi, in dem Ex-Schönling Jude Law mit Backenbart und hoher Stirn so unvorteilhaft wie nie zuvor aussieht. So ein bisschen wie Lemmy, der von Motörhead.
Lauf Junge Lauf. Regie: Pepe Danquart. Mit Andrzej und Kamil Tkacz, Elisabeth Duda.
Mit neun Jahren entkommt Srulik dem Warschauer Ghetto, doch der Horror geht für ihn weiter. Der Junge flüchtet vor den Deutschen in einen riesigen Wald, ernährt sich von Beeren und Kleintieren, bis ihm eine Bäuerin Unterschlupf gewährt. Drei weitere Jahre wird seine Odyssee durch das besetzte Polen dauern. Nach einer wahren Begebenheit erzählt Pepe Danquart eine ergreifende Geschichte um Tod, Überleben, Angst und Hilfsbereitschaft.
Yves Saint Laurent. Regie: Jalil Lespert. Mit Pierre Niney, Guillaume Gallienne.
Wie aus einem schüchternen Hänfling einer der größten Modeschöpfer aller Zeiten wurde, erzählt dieses Biopic kompetent und kurzweilig. Am Ende hat man trotzdem nicht das Gefühl, dem Menschen hinter dem Meister nähergekommen zu sein, denn hier wird eher an einem Mythos gestrickt.
AB 24.4.
20 Feet from Stardom. Regie: Morgan Neville.
Bei der Oscar-Verleihung wurde dieser Film über die Sehnsucht von professionellen Background-Sängern nach ein bisschen Weltruhm als beste Dokumentation ausgezeichnet. Das ist angesichts des brillanten Mitnominierten "The Act of Killing" zwar nicht gerecht, aber nachvollziehbar: Filmemacher Neville porträtiert die tapferen Helden aus der zweiten Reihe hinter Springsteen, Sting und den Rolling Stones mit so viel Zuneigung und mitreißender Musik, dass es einem das Herz schon nach ein paar Minuten aufweicht.
Gabrielle - (K)eine ganz normale Liebe. Regie: Louise Archambault. Mit Gabrielle Marion-Rivard, Alexandre Landry.
Gabrielle ist Anfang zwanzig, leidenschaftliche Sängerin und zum ersten Mal verliebt, und zwar in ihren hübschen Chorkollegen Martin. Beide haben das Williams-Beuren-Syndrom, womit sie bei ihren Mitmenschen als geistig behindert gelten und absolut nicht als geeignetes Liebespaar. Nicht, dass die zwei das interessieren würde. Beschwingter Toleranzappell mit entzückender Hauptdarstellerin. Die übrigens selbst Williams-Beuren hat und kein Stück darunter leidet.
Miss Sixty. Regie: Sigrid Hoerner. Mit Iris Berben, Edgar Selge.
Widerwillig in die Frührente abgeschoben, entwickelt die chronisch schlechtgelaunte Molekularbiologin Luise pünktlich zum 60. Geburtstag einen Kinderwunsch. Praktischerweise hat sie sich zu Forschungszwecken vor Jahren ein paar Eier einfrieren lassen, die nun mit dem Samenbank-Sperma eines jungen Journalisten befruchtet werden sollen. Dessen Late-Life-Crisis-gebeutelter Vater sorgt für weitere Verwicklungen. Angestrengte Komödie zum Thema Kinderwunsch im höheren Alter. Hat ihre Momente, aber nicht viele.

KulturSPIEGEL 4/2014
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