30.06.2014

So schön bunt hier

Frankreichs Kinohit „Monsieur Claude und seine Töchter“ macht sich einen Spaß aus Multikultipanik.
C laude und Marie Verneuil finden nicht, dass sie Rassisten sind. Patrioten vielleicht, Gaullisten bestimmt, aber gegen fremde Kulturen haben sie nichts einzuwenden. Besonders, wenn die sich von Frankreich fernhalten oder wenigstens von der katholischen Kleinstadtidylle der Verneuils oder allerwenigstens von ihren Töchtern. Aber die erste hat einen Muslim geheiratet, die zweite einen Juden und die dritte einen Chinesen. Ist es da so schlimm, dass Claude und Marie sich für ihre vierte Tochter einfach einen netten katholischen Franzosen wünschen?
Und ja, der vierte Ehemann in Philippe de Chauverons "Monsieur Claude und seine Töchter" wird ein Katholik sein. Aber einer von der Elfenbeinküste. Beim ersten Anblick seines neuen Schwiegersohns vereinen sich auf Claudes Gesicht dann auch in drei Sekunden alle vier Phasen der Trauer, von Schock über Um-Fassung-Ringen und erneuten Zusammenbruch bis zu widerwilliger Akzeptanz. Es ist eine sehr lustige Szene, aber davon gibt es in diesem Film so viele, dass man sich nicht wundern muss, dass es in Frankreich mit über neun Millionen Zuschauern in diesem Jahr keinen erfolgreicheren gab. Ohne gestreckten Zeigefinger, aber mit perfektem Timing und viel Herz macht sich Regisseur de Chauveron einen Spaß aus Alltagsrassismus und Panik vor Multikulti. Eine intelligente Komödie für intelligente Menschen. Gibt's nicht oft.
Monsieur Claude und seine Töchter.
Start: 24.7.
Von Sander, Daniel

KulturSPIEGEL 7/2014
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