29.09.2014

Nach der Katastrophe

Emmi Itäranta: „Der Geschmack von Wasser“. Aus dem Finnischen von Anu Stohner. dtv; 340 Seiten; 14,95 Euro. Ab 14 Jahren.
Teenie-Dystopien haben in aller Regel wie Weißwasser zu sein: wild und mitreißend und auf gar keinen Fall beschaulich. Ganz anders kommt jedoch Emmi Itärantas "Der Geschmack von Wasser" daher: ruhig und tief wie ein Bergsee und voller sprachlicher Bilder, die so schön sind wie die Spiegelungen von Bäumen auf der Wasserfläche. Es ist von Vater und Mutter die Rede statt von Mom und Dad, von der Kunst der Teezubereitung statt von Kämpfen und natürlich immer wieder vom Wesen des Wassers, weil es in Itärantas Zukunftsszenario kaum noch genug Süßwasser für alle gibt. In der Stadt patrouillieren Wasserwärter, jedes Wasserverbrechen wird streng geahndet, Soldaten kontrollieren die wöchentliche Wasserausgabe, die knapper und knapper wird. Nur Nurias Familie leidet nicht so stark unter dem Wassermangel, und eines Tages wird Nuria klar, warum: Ihr Vater, der Teemeister des Dorfes, zeigt ihr den Weg zu einer geheimen Quelle in einer Höhle. Und es bleibt nicht bei diesem Geheimnis. Auf dem Schrottplatz findet Nuria die rätselhaften Expeditionsaufzeichnungen einer Wissenschaftlerin, die in ihr den Verdacht aufkeimen lassen, dass es sich mit der Vergangenheit nicht so verhält, wie sie es ihr Leben lang gelernt hat. Sie macht sich daran, gegen den Willen der Armee herauszufinden, was damals nach der großen Naturkatastrophe in den verlorenen Landen wirklich passiert ist und ob es nicht doch genug Wasser für die durstenden Dorfbewohner gibt. Und plötzlich gerät man inmitten dieses ruhigen Bergsees von Buch doch in einen Strudel, der einen tief hineinzieht in die Geschichte der Teemeister.
Von Maren Keller

KulturSPIEGEL 10/2014
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Titelbild
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