26.04.1999

MusikFunkstörung

Out of Rosenheim: Das oberbayerische Duo zertrümmert die Songs berühmter Stars - und wird dafür in aller Welt gefeiert.
Das Rätsel, wann Musik zu Pop wird, ist noch nicht gelöst worden. Und auch Michael Fakesch hat bislang keine Antwort gefunden. "In unseren Songs stecken die schönsten Melodien, aber trotzdem wird wohl niemand behaupten, daß wir Pop produzieren", sagt er und klingt dabei so amüsiert wie ratlos.
Wenn aber Pop, was sich bekanntlich von populär herleitet, bedeutet, Respekt zu genießen und Erfolg zu haben, dann sind Fakesch und sein Partner Chris De Luca, die sich Funkstörung nennen, auf dem besten Weg, Popstars zu werden. Gerade ist ihr Album "Funkstörung - Additional Productions" erschienen, das ihre gesammelten Remix-Werke für internationale Pop-Größen wie die HipHopper vom Wu-Tang Clan und die isländische Madonna Björk enthält.
Sie sind Fans von Funkstörung, und das müssen sie sein. Wer bei dem Duo aus Rosenheim in Oberbayern einen Mix ordert, nimmt das Zertrümmern der eigenen Kunst in Kauf. Denn die Musik von Funkstörung klingt tatsächlich wie eine Funkstörung.
Mit Lust, Sorgfalt und Geschick zerlegen die beiden jeden Song in seine kleinsten Bestandteile, um sie schließlich neu geordnet wieder zusammenzusetzen. Ihre Electro-Miniaturen knistern, rauschen und knacken, und dennoch schlummern in ihnen die schönsten Melodien.
Kennengelernt haben sich die beiden vor fünf Jahren. Michael Fakesch, 24, organisierte Partys in Rosenheim, und Chris De Luca, 24, arbeitete für ihn als Diskjockey. Bald produzierten sie gemeinsam Techno-Platten, die sie auf ihrem Label mit dem schönen Namen "Musik aus Strom" veröffentlichten und die bald schon in Großbritannien für Aufsehen sorgten.
Seit dem vergangenen Jahr schließlich geht es in Rosenheim turbulent zu, und so richtig können sie ihren Erfolg noch nicht begreifen. "Vielleicht ist es nur Glück", sagt Fakesch. "Vielleicht haben wir nicht mal mehr Zeit, uns darüber zu freuen." Fast wöchentlich gehen inzwischen neue Remix-Aufträge ein. Zu ihren Kunden zählen die fast vergessenen Krautrocker Faust und die längst aufgelöste Eric-Burdon-Band War. "Um ehrlich zu sein, hatten wir von denen noch nie gehört - dafür sind wir wohl zu jung", sagt Fakesch.
Nun wollen sie in diesem Jahr auch noch ihr erstes Funkstörung-Album mit eigenen Songs aufnehmen. Ein Plattenvertrag ist abgeschlossen, Sänger und Rapper sind verpflichtet. "Das soll eine echte Pop-Platte werden", sagt Fakesch. Was nur heißen kann, daß die Popstars nun Pop machen wollen, der sich auch anhört wie Pop. Christoph Dallach
14.5. München, Forum Kunstpark Ost; 15.5. Berlin, Maria; 21.5. Hamburg, Kasematten; 22.5. Köln, 672.
Von Christoph Dallach

KulturSPIEGEL 5/1999
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