29.08.2015

Das Modellpaar

Ist sie die Frau an seiner Seite oder er der Mann an ihrer? Keins von beiden, denn Eva Padberg und Niklas Worgt machen gemeinsam Technomusik.
Man kommt an dieser Überschrift kaum vorbei, als Journalist, sie ist beim ersten Brainstorming im Kopf und dann auch schnell gedruckt. "Die Schöne und der Beat", schrieb der "Tagesspiegel". Klingt gut, passt gut. Eva Padberg und Niklas Worgt, sie das schöne deutsche Model und er der Techno-DJ. Sie sind seit 20 Jahren ein Paar, seit 9 Jahren verheiratet. Sie schreibt Texte und singt, er bastelt die Musik. Sie steht beim Konzert am Mikrofon, er am Mischpult.
Es läuft immer in dieser Reihenfolge, jedenfalls in der Wahrnehmung der anderen. Bei ihren Liveauftritten standen in den ersten drei Reihen oft Leute, die nur Eva Padberg gefilmt haben, da sind die beiden dann aus Frust zwei Jahre lang nicht aufgetreten. "Es gibt Veranstalter, die mich nicht mit dem Arsch anschauen, wenn wir zusammen ankommen", sagt Niklas Worgt, 37, "dann weiß ich, warum ich gebucht wurde. Es gibt Momente, wo mich das wirklich ankotzt." Eva Padberg, 35, sagt: "Ich kann nichts dafür und versuche auch, das nie zu verstärken." Und dann fügt sie an: "Mir tut das leid für Niklas."
Als Musikerduo heißen sie nicht Padberg&Dapayk, sondern Dapayk&Padberg, und auf manchen Alben, wie auch bei dem neuen "#nofilter" (ab 9. 10.), steht als Absender Dapayk Solo. Damit niemand eine falsche Erwartung hat. Dass Dapayk, wie Worgt sich als DJ nennt, als Erster genannt wird, bildet die Realität ab, denn er ist der musikalische Kopf des Duos. Er bastelt die Beats, er tourt als DJ von Österreich bis Russland, er gibt dem Duo die Glaubwürdigkeit in der Technoszene, er arbeitet in der Provence an neuen Stücken, während sie dort den Urlaub genießt. Aber die Bekanntheit gibt dem Duo der Name Padberg.
Man kann das ungerecht finden oder aber als Glücksfall nehmen für kostenlose PR, denn als DJ berühmt zu werden ist in Deutschland nur einer sehr erlesenen Gruppe gelungen, darunter Leute wie Sven Väth, Paul Kalkbrenner, Robin Schulz oder Felix Jaehn. Sie gehören einer Liga an, die vergleichbar ist mit der, in der Eva Padberg als Model gespielt hat. Sie hatte Werbeverträge mit der Dessousmarke Palmers, dem Kosmetikriesen Astor, mit dem Autohersteller Kia, der Modefirma Betty Barclay, für Katjes und König Pilsener Lemon. Um nur einige Beispiele zu nennen. Die Werbeagentur BBDO schätzte ihren Marktwert auf 15 Millionen Euro, damals war sie Ende zwanzig. Sie lief bei internationalen Modeschauen, sie moderierte TV-Shows und wurde von der "Gala" zu den deutschen Supermodels gezählt.
Wer Mitte dreißig ist und seit zwanzig Jahren in derselben Beziehung, der ist eine Ausnahme in unserer Zeit. Wer außerdem noch in der Mode- oder in der Musikbranche so lange mit seinem Partner zusammenbleibt, der ist ein Exot. Vielleicht sogar schon ein Einzelfall. Worgt erzählt: "Viele sagen: 'Das ist aber schön, dass ihr so lange zusammen seid', und haben dabei einen leicht panischen Unterton."
"Bodenständig" ist das Label, das den beiden schnell aufgeklebt wird. Niklas Worgt und Eva Padberg sind im thüringischen Dorf Rottleben aufgewachsen, sie haben dieselbe Schule besucht, sie mochten dieselbe Musik. Aber dann wurde sie bei der "Bravo Girl&Boy Wahl" entdeckt, von der Agentur Louisa Models. Ungefähr zu dieser Zeit begann sie, mit Niklas Worgt Songs zu machen. "Er brauchte Vocals für seine Tracks, es lag nahe, dass ich das übernehme", erzählt Padberg. "Ihr Englisch war viel besser als meins", sagt Worgt. Padberg zog 1999 nach New York, wo ihre Karriere richtig losging. Er blieb in Thüringen.
"Da saß ich in der Kleinstadt und musste damit klarkommen, dass sie weg ist", sagt Worgt, "wir haben uns Faxe geschrieben und uns vertraut." Ohnehin sei die wilde Partyzeit mit Kokain, Alkohol und Sex in New York damals schon vorbei gewesen, sagt Padberg, dafür habe der Bürgermeister Rudolph Giuliani gesorgt: "Ich war mal in einer Bar, die rammelvoll mit Modevolk war. Giselle Bündchen fing mit ihren Freundinnen an zu tanzen, bis einer vom Personal kam und sagte: 'Ihr dürft leider nicht tanzen, wir haben keine Tanzlizenz.'"
Nach den Erfolgen in New York kam für Eva Padberg nach der Jahrtausendwende in Deutschland der Durchbruch. Sie vermarkteten sich auf Anraten ihrer PR-Agentin in dieser Zeit auch als Paar, was Worgt bereute: "Ich war jung, habe studiert und habe zugesagt. Dann habe ich so vieles erlebt, was nicht schön war." Zum Beispiel, wenn seine Freundin über den roten Teppich ging. Padberg sagt: "Die Fotografen schrien ihn an: 'Jetzt geh mal aus dem Bild!' Das war keine schöne Situation für ihn, und ich hatte ein schlechtes Gewissen." Und Worgt sagt: "Ich musste mich dann ein Stück entfernt von ihr hinstellen und ihre Tasche halten." Nach einem Jahr habe er sich wieder rausgezogen, sagt er. "Jetzt haben wir den Deal, dass ich pro Jahr auf eine Promi-Party gehe, und die darf ich mir aussuchen."
Heute sind beide in einem Alter, wo Karrieren als Model und als DJ oft auslaufen und es Zeit ist für Alternativen. Padberg hat mit einer Freundin das Modelabel "Ce'nou", gegründet, sie moderiert hier und da immer noch Fernsehshows. Worgt betreibt in Berlin seine Plattenfirma, produziert Musik, legt auf, und wenn es mal nicht mehr läuft, könnte er wieder in seinen Beruf als Restaurator zurück.
Worgt sagt: "Manchmal spinnen wir uns aus, was gewesen wäre, wenn wir nicht diese Wege eingeschlagen hätten: Dann hätte Eva studiert, ich hätte eine Werkstatt, wir hätten zwei Kinder und wären glücklich in einem Häuschen in Thüringen. Das wäre auch nicht verkehrt."
Von Christoph Dallach und Marianne Wellershoff

KulturSPIEGEL 9/2015
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