29.08.2015

KULTURERBEAlles auf Anfang: Zwei Beethoven-Alben entstauben den Titanen radikal.

Wenn Feierabend-Streicher Beethoven spielen wollen, fangen sie gern mit den sechs frühesten Quartetten op. 18 an; da sammelte der an Haydn Geschulte noch Erfahrung und ging technisch nicht aufs Ganze. So heißt es wenigstens. Das Jerusalem Quartet hat solch überkommene Meinungen nun einfach ignoriert. Seine neue Aufnahme (harmonia mundi) bricht mit Betulichkeit und Behaglichkeit – und zeigt auch dank des perfekten Zusammenspiels, dass die angeblichen Jugend-Bravheiten frühe Fegefeuer der Emotionen sind. Etwas erstaunlich Ähnliches ist dem sonst meist genießerisch abgefeierten Tripelkonzert von 1804 passiert: Die drei Starsolisten Giuliano Carmignola, Sol Gabetta und Dejan Lazić agieren mit vollem Einsatz; das exzellente Kammerorchester Basel unter Giovanni Antonini steigert sogar die Spannung (Sony Classical). Fehlt eigentlich bloß, dass in einem der nächsten Konzerte Beethoven-Fanclubs mit Buttons und Transparenten anrücken. Warum auch nicht? Johannes Saltzwedel
Von Johannes Saltzwedel

KulturSPIEGEL 9/2015
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