30.08.1999

Konzerte - Oper - Tanz

BAD OLDESLOE
BENJAMIN BRITTEN: 1941 hat die deutsche Wehrmacht nicht nur die Kathedrale von Coventry, sondern die ganze Stadt in Schutt und Asche gebombt. Zur Einweihung des wieder aufgebauten Gotteshauses hat der Brite Britten 1962 sein "War Requiem" komponiert. Henning Münther und das Collegium Musicum Lübeck werden das eindrucksvolle Riesenwerk aufführen. Es singen Solisten und Chöre aus Hamburg, Ahrensburg, Reinbek und Bad Oldesloe.
Konzert am 17.9. in der Peter-Paul-Kirche. Auch am 18.9. in Bad Segeberg (St.-Marien-Kirche), 19.9. in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Tel. 04102/532 97.
BERLIN
MANFRED REICHERT: Der Dirigent präsentiert mit seinem Ensemble 13 eine Rarität: Zum 1926 gedrehten Stummfilm "Der Rosenkavalier" von Robert Wiene spielen die Karlsruher Musiker live die Filmmusik von Richard Strauss in einer Fassung für Salonorchester.
Film und Musik am 8.9. im Konzerthaus am Gendarmenmarkt.
Tel. 030/203 09 21 01.
ELLIOTT CARTER: Der 90-jährige Großmeister hat seine erste Oper geschrieben. Daniel Barenboim wird die Uraufführung des Einakters "What next?" dirigieren und verspricht "Entertainment auf höchstem Niveau". Nicolas Brieger inszeniert Carters Musikkomödie. Im zweiten Teil des Abends steht Arnold Schönbergs Zwölftonoperette "Von Heute auf Morgen" auf dem Programm: "Mama, was sind das, moderne Menschen?"
Premiere am 16.9. in der Staatsoper Unter den Linden. Auch am 18., 22. und 25.9., Tel. 030/20 35 45 55.
BONN
HENRI POUSSEUR: Der belgische Neutöner hat sich in den sechziger Jahren "Votre Faust" ausgedacht, ein "Variables Spiel in Art einer Oper". Der Clou: An einigen Stellen darf das Publikum den Fortgang des Geschehens beeinflussen. Doch das Mitspiel-Musiktheater klappt nicht immer. Die Uraufführung an der Mailänder Scala vor 30 Jahren war nach Angaben des Komponisten ein "künstlerisches Desaster". Jetzt wagt die Regisseurin Barbara Beyer einen neuen Versuch. Ob die Aufführung gelingt, hängt auch davon ab, was die Zuschauer aus "ihrem Faust" machen.
Premiere "Votre Faust" am 26.9. in der Bundeskunsthalle. Tel. 0228/77 36 66.
CHRISTIAN JOST: Der in Köln freischaffende Komponist hat im Auftrag der "Stiftung Kunst und Kultur des Landes NRW" ein Werk für großes Orchester geschrieben. Das Orchester der Beethovenhalle und Marc Soustrot bringen "The End Of The Game" spielend zu Ende. Außerdem erklingen im "1. Freitagskonzert" der Saison Werke von Francis Poulenc und Hector Berlioz.
Uraufführung am 3.9. in der Beethovenhalle. Tel. 0228/77 36 66.
DORTMUND
ALEXANDER GOEHR: Das japanische Nô-Theater des 15. Jahrhunderts hat den in Berlin geborenen britischen Komponisten zu einem Opern-Triptychon inspiriert. Ein Theaterspiel mit Masken, phantastischen Kostümen und rituellen Gesten. Der Inhalt dieser neuen Nô-Opern klingt ungewöhnlich: "Ein Blinder genießt auf einem Ausflug zum Tempel reichlich Reiswein und kehrt, statt mit seiner Frau, mit einem Affen am Arm zurück." Philipp Kochheim inszeniert, Axel Kober dirigiert.
Uraufführung "Kantan - Die Seidentrommel - Ein (un)fairer Tausch" am 19.9. im Theater. Auch am 30.9.,
Tel. 0231/502 72 22.
ESSEN
EDGAR VARèSE: Als der Schriftsteller Henry Miller zum ersten Mal Musikstücke des amerikanischen Komponisten hörte, war er beeindruckt: "Es war, als hätte ich einen K.-o.-Schlag bekommen." Werke von Varèse werden zwar gelegentlich in Sinfoniekonzerten aufgeführt, doch nun sorgt der Dirigent Eberhard Kloke für einen totalen Varèse-Kick: Inmitten von Fabriken und Industriehallen wird das Gesamtwerk des Amerikaners an einem Tag gespielt. Dieses Ereignis beginnt in der Kokerei der Zeche Zollverein in Essen mit einem "Wandelkonzert" und endet in der Kraftzentrale des Landschaftsparks Duisburg-Nord. Zum Finale gibt's "Ionisation" für 13 Schlagzeuger.
Konzerte (mit Zugtransfer) am 4.9.,
Tel. 0201/206 92 47.
JOHANNES SCHAAF: Der Regisseur erzählt die Geschichte zweier tugendhafter Frauen, die Treue schwören und ihre Liebsten mit Betrügern betrügen: "Vor Euch verbeugt sich, / Schöne Dame, / Der Ritter aus Albanien!" Stefan Soltesz dirigiert Mozarts "Così fan tutte".
Premiere am 18.9. im Aalto Musiktheater. Weitere Aufführungen am 21. und 26.9., Tel. 0201/812 22 00.
FRANKFURT/MAIN
JUNGE DEUTSCHE PHILHARMONIE I: In diesem Orchester spielen die besten Studenten aus deutschen Musikhochschulen. Nun feiert das Spitzenensemble 25jähriges Jubiläum. Die Jungmusiker präsentieren mit dem "Holzgeschnitzten Prinz" von Béla Bartók und der "Petruschka" von Igor Strawinski zwei Ballettmusiken der Extraklasse. Mit von der Partie ist auch die Puppenbauerin und Puppenspielerin Suse Wächter.
Szenisches Konzert am 7.9. im Turm der Commerzbank für Banker. Öffentliches Konzert in der Alten Oper am 12.9., Tel. 069/134 04 00.
JUNGE DEUTSCHE PHILHARMONIE II: Knapp hundert frühere Mitglieder des Orchesters treffen sich am Main und proben Werke von Lutoslawski, Haydn, Webern und Brahms/Schönberg. Das Ergebnis präsentieren die "Ehemaligen" dann der Öffentlichkeit. Es dirigieren Yun Märkl und Thomas Hengelbrock.
Jubiläumskonzert am 11.9. in der Alten Oper. Tel. 069/134 04 00.
GELSENKIRCHEN
BERND SCHINDOWSKI: Der Choreograf hat sich durch Klaviermusik von Mozart zu einem neuen Ballett anregen lassen. Es spielt der tonkonservierte Glenn Gould, es tanzt das quicklebendige Ballett Schindowski.
Premiere am 12.9. im Schillertheater NRW. Auch am 17. und 25.9.,
Tel. 0209/409 72 00.
GRAZ
GERD KÜHR: In den achtziger Jahren hat der Kärntner Komponist zu einem Text von Franz Xaver Kroetz ("Stallerhof") seine erste Oper komponiert. Jetzt folgt der zweite Streich mit einem Libretto von Peter Turrini. Ulf Schirmer, erfahrener Kühr-Dirigent, bringt "Tod und Teufel" zum Klingen. Es inszeniert Georg Schmiedleitner.
Uraufführung am 17.9. im Opernhaus. Auch am 19., 22., 23. und 29.9.,
Tel. 0043/316/800 80.
HAMBURG
WILLY DECKER: Der Regisseur liebt an seinem Beruf "den Tag nach der Premiere". Also wird Decker den 27. September lieben. Denn am Tag zuvor hat seine Inszenierung von "Pelléas et Mélisande" Premiere. Die Titelpartien singen Russel Braun und Véronique Gens. Ingo Metzmacher dirigiert Debussys symbolistisches Musiktheater.
Premiere am 26.9. in der Staatsoper. Weitere Aufführung am 29.9.,
Tel. 040/35 17 21.
MEININGEN
CHRISTINE MIELITZ: Die Intendantin des Südthüringischen Staatstheaters hat bis 2001 "große Pläne" und bereitet rund 60 Premieren vor. Jetzt präsentiert die Regisseurin Mielitz ihre erste Meininger Inszenierung: "Lady Macbeth von Mzensk" von Dmitrij Schostakowitsch. Es dirigiert der neue Generalmusikdirektor Kirill Petrenko.
Premiere am 17.9. im Theater. Oper mit Leiche im Keller auch am 19.9.,
Tel. 03693/45 12 22.
MÜNCHEN
JAMES LEVINE: Der Maestro dirigiert mit dem "Sacre" von Strawinski und dem "wunderbaren Mandarin" von Bartók zwei Meisterwerke der Moderne. Außerdem erklingen Teile aus der "Elektra" von Richard Strauss. Es singen Gabriele Schnaut, Marjana Lipovsek, Deborah Voigt, René Pape und Wolfgang Schmidt.
Sonderkonzert am 3.9. in der Philharmonie. Auch 5.9., Tel. 089/54 81 81 81. Am 4.9. gibt es im Max-Joseph-Saal der Residenz einen Vortrag zum Konzert-Leitmotiv "Richard Strauss und die Moderne" von Jürg Stenzl. Danach folgt ein Podiumsgespräch mit James Levine. Eintritt frei, Karten zehn Tage vorher bei München Ticket in der Gasteig-Glashalle reservieren.
STEINFURT
CONCERTO KÖLN: Das Ensemble bietet Musikfreunden ein besonderes Konzerterlebnis. Zusammen mit der Akademie für Historischen Tanz Berlin werden die Experten für Alte Musik die Tradition der "Promenadenkonzerte" wieder aufleben lassen. Der Graf zu Bentheim-Steinfurt ließ in der Nähe seines Schlosses einen Lustgarten mit Badesalon und der "Grand Galerie pour les Concerts" errichten. In diesem "ältesten frei stehenden Konzertsaal Europas" findet nun das "historische Promenadenkonzert" statt: ein etwa fünfstündiges Vergnügen (Beginn: 17 Uhr) mit Musik, historischem Tanz und Essen in den Pausen.
Konzert am 5.9. in der "Grande Galerie". Tel. 02551/13 83.
ZÜRICH
HEINZ SPOERLI: Gerade haben der Choreograf Lin Hwai-min und das Cloud Gate Dance Theatre aus Taiwan in Berlin mit der europäischen Erstaufführung von "Moon Water" gezeigt, wie hervorragend die Suiten für Violoncello solo von Johann Sebastian Bach für einen Tanz mit Tai-Chi-Einfluss geeignet sind. Nun zeigt der Choreograf Spoerli zur gleichen Bach-Musik ebenfalls eine neue Produktion. Ob das Werk mit dem luftigen Titel "... und mied den Wind" genauso "hinreißend schön" ("FAZ") gerät wie Lin Hwai-mins "Moon Water"?
Uraufführung am 5.9. in der Oper. Weitere Vorstellungen am 7., 8. und 26.9., Tel. 0041/1/268 66 66.

KulturSPIEGEL 9/1999
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