30.10.2000

Theater

BÜHNEN UND PREMIEREN

BASEL

FRAU VOM MEER: Eine Frau zwischen zwei Männern, zwischen dem wilden Meer und dem lauen Fjord, dem Abenteuer und dem Alltag. Ricarda Beilharz inszeniert Ibsens Ehegeschichte mit Silvia Fenz in der Titelrolle.

Premiere am 3.11. in der Komödie. Auch am 9., 10., 12., 16., 18., 23., 27., 30.11., Tel. 0041/61/295 11 33.

FRANZISKA: Gerade hat die Regisseurin Christina Paulhofer, 31, Wedekinds fast vergessene Faust-Travestie in Hannover inszeniert - als Pop-Märchen zwischen Madonna und Tristesse Royale. Jetzt zeigt uns der Basler Schauspielchef Stefan Bachmann, 34, wie er die Sache sieht.

Premiere am 18.11. auf der Großen Bühne des Theaters. Auch am 20. und 21.11., Tel. 0041/61/295 11 33.

BERLIN

S: Wofür steht "S"? Für Sex, sexes oder schlicht für die Form der menschlichen Wirbelsäule? Die Choreografin Sasha Waltz schweigt sich noch aus, aber wie zuletzt in ihrer famosen "Körper"-Arbeit geht es auch bei "S" um das Thema Körper. Diesmal beschäftigt sich Waltz nicht so sehr mit der Anatomie, sondern mehr mit den zwischenmenschlichen Aspekten. Vielleicht steht "S" also für die Sinne und die Seele?

Uraufführung am 7.11. in der Schaubühne. Voraufführungen am 5. und 6.11., weitere Vorstellungen 9.-11.11., Tel. 030/89 00 23.

DIE KLEINBÜRGERHOCHZEIT: Der BE-Chef Claus Peymann schickt einen Brecht ins Rennen um die Gunst des Berliner Publikums. Philip Tiedemann inszeniert das frühe Stück um eine missglückte Hochzeitsfeier, über das der Kritiker Georg Hensel schrieb: "So viel unangestrengten Humor hat Brecht nie wieder gehabt."

Premiere am 18.11. im Berliner Ensemble. Auch am 19., 23., 27., 28., 29.11., Tel. 030/28 40 81 55.

DÄMONEN: Lars Norén, 56, eifert mit seinen Ehe- und Psychodramen seinem Landsmann Strindberg nach. In "Dämonen" erklärt die Ehefrau ihrem Mann genau, welche Optionen ihnen bleiben: "Entweder töte ich dich, oder du tötest mich, oder wir trennen uns, oder wir machen so weiter." Keine Chance für die Liebe? Es inszeniert Peter Wittenberg.

Premiere am 10.11. im Maxim Gorki Theater. Auch am 11., 12., 25.11.,

Tel. 030/20 22 11 15.

BOCHUM

DER KUSS DES VERGESSENS: Die Uraufführung dieses Beziehungsdramas war Ende 1998 in Zürich ein Riesenerfolg - für den Autor Botho Strauß, die Hauptdarsteller Anne Tismer und Otto Sander und für den Regisseur Matthias Hartmann. Der ist jetzt Intendant im Pott und holt sich, nicht doof, den eigenen Triumph ans eigene Haus.

Bochumer Premiere am 17.11. im Schauspielhaus. Auch am 18. und 26.11., Tel. 0234/333 31 11.

CHEMNITZ

FORMEL EINZZ: "Ein Stück Volk" nennt der vogtländische Autor Christian Martin sein neues Werk im Untertitel. Es ist der erste Teil seiner "Trilogie der verlorenen Sehnsucht". Regie: Manuel Soubeyrand.

Uraufführung am 4.11. im Schauspiel. Auch am 10., 21.11., Tel. 0371/696 96 96.

DRESDEN

EIFERSUCHT: Schon seit ihrem Skandal-Buch "Der dressierte Mann" von 1971 ist Esther Vilar eine selbst ernannte Expertin in Sachen Geschlechterkampf. In ihrem neuen Stück streiten sich drei Frauen um einen Mann - per Faxgerät. Es inszeniert Tobias Wellemeyer.

Premiere am 4.11. im Schlosstheater. Auch am 5., 13. und 25.11., Tel. 0351/491 35 55.

DÜSSELDORF

NO(R)WAY TODAY: Ein junger Norweger sucht über das Internet jemanden, der sich mit ihm gemeinsam umbringen will. Eine junge Frau aus Österreich antwortet ihm. Zusammen springen sie von einem Felsen. Igor Bauersima, der auch Regie führt, hat sich diese wahre Geschichte vorgenommen und ein Drama daraus gemacht - mit ungewissem Ausgang.

Uraufführung am 15.11. im Kleinen Haus des Schauspielhauses. Auch am 16., 20., 27., 29.11., Tel. 0211/36 99 11.

FRANKFURT/MAIN

VOR DEM RUHESTAND: Peter Eschberg, als Schauspiel-Intendant kurz vor dem Ruhestand, inszeniert das bitterböse Thomas-Bernhard-Stück über einen Alt-Nazi.

Premiere am 23.11. im Kammerspiel. Auch am 26.11., Tel. 069/21 23 79 99.

EUROPA: Die Leute vom TAT setzen weiter auf Erklär-mir-die Welt-Theater. Das alte Drama von Sophokles und Euripides, so dozieren sie, "erzählt die Ursprungsgeschichte der Europäischen Idee: In der Verstrickung des Labkaiden-Geschlechts zeigt sich schon im Beginn die Struktur des politischen Denkens und Handelns". Klingt ein bisschen trocken - aber dafür ist man hinterher vielleicht klüger. Oder wenigstens gebildeter. Es inszeniert Robert Schuster.

Premiere am 17.11. im Bockenheimer Depot. Auch am 18. und 19.11.,

Tel. 069/21 23 79 99.

GÖTTINGEN

ARSCHKARTE: Noch eine junge Autorin, der es gerade droht, zum Hype zu werden. Gesine Danckwart, 31, hat nach "girlsnightout" ein Stück geschrieben, das im Prinzip das Gleiche sagt wie Michel Houellebecqs Romane (nur sind bei ihr die Menschen vielleicht etwas lässiger): Es geht nicht um Arm oder Reich, sondern um Schön oder Hässlich. Sex oder nicht Sex, das ist hier die Frage. Die Uraufführung inszeniert, wie schon Danckwarts Mädchenabend, Remsi al Khalisi.

Uraufführung am 2.11. im Jungen Theater. Auch am 4., 16., 24., 25.11., Tel. 0551/49 50 15.

GRAZ

DEUTSCHE SPRACHE SCHWERE SPRACHE: Der Grazer Regisseur und Theater-Chef Ernst M. Binder inszeniert in Schwerin den neuen, dritten Teil von Einar Schleefs "Totentrompeten" (s. Porträt). Kurz nach der Uraufführung ist die Produktion auch in Binders eigenem Haus zu sehen.

Grazer Premiere am 25.11. im Forum Stadtpark Theater. Auch am 26., 27., 29.11., Tel. 0043/316/800 00.

HAMBURG

DIE LIEBE IN MADAGASKAR: Das letzte Mal, als in Hamburg ein Stück von Peter Turrini aufgeführt wurde ("Tod und Teufel"), gab es einen Skandal. So weit wird es bei diesem Drama um einen Vorstadtkinobesitzer und sein Idol Klaus Kinski nicht kommen - schon bei der Uraufführung in Wien 1998 waren Zuschauer und Kritiker mit Turrini zufrieden. Regie führt jetzt Wolf-Dietrich Sprenger.

Premiere am 11.11. im Thalia Theater. Auch am 12., 13., 14., 18., 19., 20.11., Tel. 040/32 81 44 44.

THALIA GAUSS OPEN: Der neue Thalia-Intendant Ulrich Khuon eröffnet eine neue Dependance (dafür hat er die alte, das TiK, geschlossen): In Altona, auf dem Gelände von Probebühnen und Fundus, ist eine Studiobühne entstanden. Einen Vorgeschmack auf das kommende Programm gibt es beim Tag der offenen Tür - mit dabei sind u.a. die Autoren Moritz Rinke, Dea Loher und John von Düffel. Der Eintritt ist frei.

Eröffnungsfest am 25.11. ab 15 Uhr im Thalia in der Gaußstraße. Tel. 040/32 81 44 44.

WORLD WIDE WEB-SLUMS: Eine "Lebende Serie in 7 Folgen" nennt Autor und Regisseur René Pollesch sein Projekt, eine Auseinandersetzung mit Soaps und Containern im Fernsehen. Ob das die Zuschauer hinterm Bildschirm hervorlockt?

Uraufführung der ersten Folge am 8.11. im Rangfoyer des Schauspielhauses. Auch am 9., 10., 14.11. Zweite Folge: 15.-19.11. Dritte Folge: 22.-26.11. Vierte Folge: 29.11.-3.12., Tel. 040/24 87 13.

STRUWWELPETER: Mit ihrer englischen Karacho-Anarcho-Version des Kinderzimmer-Gruselschockers wurden Julian Crouch und Phelim McDermott 1998 stürmisch gefeiert - auch in Deutschland. Tom Stromberg, seit kurzem Chef des Hamburger Schauspielhauses, gehörte damals zu den begeisterten Zuschauern. Jetzt lässt er die beiden Briten eine deutsche Version inszenieren - und hofft, dass das der Knaller wird, den sein Haus so dringend benötigt.

Premiere am 10.11. im Schauspielhaus. Voraufführung am 9.11., außerdem am 12., 13., 18., 23. (11 Uhr), 24., 26.11., Tel. 040/24 87 13.

W;T: Krebs ist das Thema dieses Dramas von Margaret Edson, das von einer Literaturprofessorin und ihrer Krankheit erzählt. Ungewöhnlich war vor allem der Erfolg des Dramas in New York, wo "W;t" 1997 herauskam und monatelang ausverkauft war. Es inszeniert der Wiener Schauspielhaus-Chef Hans Gratzer.

Premiere am 10.11. in den Kammerspielen. Auch 11.-14., 16.-19., 21.-26.11., Tel. 040/41 33 44 44.

HANNOVER

AUSWEITUNG DER KAMPFZONE: Michel Houellebecq ist der Mann der Stunde - mit seiner provokanten Kritik an der liberalen Gesellschaft scheint er einen Nerv getroffen zu haben, und so stürzen sich immer mehr Leute in seine kristallklare und zutiefst deprimierende Prosa. "Wie der Wirtschaftsliberalismus erzeugt der sexuelle Liberalismus Phänomene absoluter Pauperisierung", lautet eine der zentralen Thesen aus Houellebecqs Debütroman. "Manche haben täglich Geschlechtsverkehr, andere überhaupt nie." Christian Pade zeigt diesen Text jetzt erstmals auf der Bühne.

Uraufführung am 16.11. im Schauspielhausfoyer. Auch am 19., 22., 28.11., Tel. 0511/ 99 99 11 11.

KOPENHAGEN

WOYZECK: Es sind schon viele Regisseure an Georg Büchners frühmodernem, unfertigem Sozialdrama gescheitert. Aber der amerikanische Großmeister Robert Wilson wird sich vermutlich ohnehin nicht allzu lange mit der Geschichte des armen Soldaten W. aufhalten und sich gleich daranmachen, das Ganze in seine magischen Zeitlupen-Rätselbilder aufzulösen. Und sein kongenialer Partner Tom Waits bastelt ihm dazu, wie schon beim legendären "Black Rider", die passende Musik.

Uraufführung am 18.11. im Betty Nansen Theater (im Rahmen des Festivals "Kulturbro 2000"). Weitere Vorstellungen bis 10.2.2001, täglich außer sonntags. Tel. 0045/33/21 14 90.

LUZERN

FRANKENSTEIN ODER DER MODERNE PROMETHEUS: Das Stück zum Klon-Zeitalter inszeniert Meret Matter.

Premiere am 17.11. im Luzerner Theater. Auch am 23. und 25.11., Tel. 0041/41/210 66 18.

MÜNCHEN

SO WILD IST ES IN UNSEREN WÄLDERN SCHON LANGE NICHT MEHR: Jan Bosse, 31, inszeniert das neue, leicht versponnene Werk von Theresia Walser. Eigentlich sollte die Premiere schon im Mai stattfinden, aber die Sanierung der Kammerspiele zog (und zieht) sich hin. Jetzt wird das Ganze im guten alten Werkraum gespielt.

Uraufführung am 4.11. im Werkraum der Kammerspiele. Auch 5., 6., 8., 10.-13., 15., 23., 25.11., Tel. 089/23 33 70 00.

GOLEM: Einen "Schöpfungsakt mit Musik" nennen Christopher Blenkinsop und Carsten Dane ihr Stück.

Uraufführung am 16.11. im Werkraum der Kammerspiele. Auch am 17., 18., 21., 22., 26., 27., 28.11., Tel. 089/23 33 70 00.

INDIA SONG: Ein Marguerite-Duras-Abend von Wanda Golonka.

Vom 6. bis 13.11. im Marstall,

Tel. 089/21 85 19 40.

PARIS

HAMLET: Mein oder nicht mein? - Hamlet ist für alle da. Nach Peter Zadek, der mit Angela Winkler in der Titelrolle einen kindlich-trotzigen Prinzen zeigte, präsentiert nun ein anderer großer Regie-Weiser seine Version: Peter Brook.

Premiere am 28.11. im Théâtre des Bouffes du Nord. Weitere Termine bis 12.1.2001, Tel. 0033/1/46 07 34 50.

SCHWERIN

DEUTSCHE SPRACHE SCHWERE SPRACHE: Einar Schleef hat den dritten Teil der "Totentrompeten" fertig. Regie führt wieder Ernst M. Binder (s. Porträt).

Uraufführung am 16.11. im E-Werk des Staatstheaters, Tel. 0385/530 01 23.

ZÜRICH

FRAGEN DER EINSTELLUNG sind für einen Arbeitslosen natürlich von besonderer Bedeutung. Ein Stück über den Turbokapitalismus, geschrieben 1971 von einem Experten: Der Franzose Michel Vinaver brachte es unter seinem bürgerlichen Namen bis zum Europa-Chef der Firma Gillette. Regie: Isabel Osthues.

Premiere am 18.11. in der Box im Schiffbau. Auch am 19., 21.-24., 29., 30.11., Tel. 0041/1/265 58 58.


KulturSPIEGEL 11/2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.

Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizenzieren.

KulturSPIEGEL 11/2000
Titelbild
Abo-Angebote

Sichern Sie sich weitere SPIEGEL-Titel im Abo zum Vorteilspreis!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

Theater:
BÜHNEN UND PREMIEREN