DER SPIEGEL



POP & JAZZ

Spinner mit Ukulele

Von DALLACH, CHRISTOPH

Den Plattenfirmen ist er zu eigenwillig. Hollywood aber vertraut dem romantischen Dandy.

Wer den Musikclub Largo in Los Angeles sucht, sollte zum Beginn jedes Wochenendes nach einer Menschenschlange südlich vom Sunset Strip Ausschau halten. Dort tritt freitagabends ein gewisser Jon Brion auf. Vor gewöhnlich ausverkauftem Haus spielt der 39jährige Dandy auf bevorzugt exotischen Instrumenten eigene Kompositionen, die an die ausgefalleneren Momente der Beatles und Beach Boys erinnern, und irrwitzige Coverversionen, zum Beispiel AC/DCs "You Shook Me All Night Long" mit Ukulele-Begleitung. Weil Brion in Zeiten der totalen Digitalisierung Klang und Wärme traditioneller Instrumente und Melodien zelebriert, ist er längst über Los Angeles hinaus zum Dauergeheimtipp avanciert: Als Produzent und Session-Musiker war er an den großen Erfolgen von Aimee Mann, Fiona Apple und den Eels beteiligt. Auch Macy Gray, Beck, Peter Gabriel und David Byrne haben ihn schon gebucht. Sein wunderschönes Solo-Album "Meaningless" war einer großen Plattenfirma zu eigensinnig und ist deshalb nur online (www.jonbrion.com) erhältlich. Dafür heuert ihn immer wieder der Hollywood-Regisseur Paul Thomas Andersson ("Magnolia") als Soundtrack-Komponisten an. Auch dessen neues Werk "Punch-Drunk Love" hat Brion mit sehr schönen Klängen veredelt. Wem das gefällt, sollte sich mal an einem Freitagabend frühzeitig in die Warteschlange vor dem Largo einreihen. CHRISTOPH DALLACH

CD: "Punch-Drunk Love" (Nonesuch/Warner).


KulturSPIEGEL 6/2003
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