Von GOOS, HAUKE
Am Anfang, noch unter den Titeln, ertönt Musik aus Orffs "Carmina Burana". Dann ist Herbert Zimmermann zu hören, der legendäre Sportreporter: "Deutschland im Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft. Das ist eine Riesensensation, das ist ein echtes Fußball-Wunder." Und dann geht es tatsächlich los, das Fußball-WM-Finale in Bern, am 4. Juli 1954: Deutschland, der Außenseiter, gegen die Wunder-Ungarn, seit vier Jahren ungeschlagen, mit Lorant, Hidegkuti und Puskás, dem "Major", den Zimmermann, ganz alte Schule, "Puschkasch" ausspricht, so viel Zeit muss sein. Nach sechs Minuten steht es 1:0 für Ungarn, nach acht Minuten 2:0, doch noch vor der Pause schaffen Morlock und Rahn den Ausgleich.
Der Rest ist Mythos, das "Wunder von Bern". Und wer sich freut, dass das Wunder von Sönke Wortmann jetzt zum ersten Mal verfilmt wurde (Start: 16.10., siehe S. 22), der wird überrascht sein, dass es den Film zum Spiel längst gibt. Drei Studenten der Fachhochschule Offenburg (Studiengang Medien und Informationswesen) haben das Finale mit Lego-Figuren nachgestellt und mit dem Stopptrickverfahren gefilmt, sechs Bilder pro Sekunde, rund 2500 Einstellungen insgesamt. Florian Plag, Ingo Steidl und Martin Seibert heißen die Filmemacher, und ihr Film lebt von der Liebe zum Detail und von der Liebe zum Fußball. "Toni, Toni, du bist Gold wert", ruft Zimmermann, neben der Ergebnistafel ist auf einem Transparent "Auf geht's, Kameraden" zu lesen, die Lego-Zuschauer kriegen eine echte La-Ola-Welle hin, und als die Ungarn, kurz vor Schluss, durch Puskás den Ausgleich erzielen, zeigen Plag, Steidl und Seibert in der Zeitlupe, dass der Schütze im Abseits stand, deutlich zu sehen an der gelben Linie, die sie einblenden. "Brick films" heißen solche Miniaturen im Netz, gezaubert aus Lego- oder Playmobil-Figuren, "Star Wars" gibt es inzwischen und "Pulp Fiction", und wer sich das WM-Finale ansehen will, findet es unter www.wm54.de.vu. "Die Ungarn, wie von der Tarantel gestochen", schreit Zimmermann am Ende, überall "lauern die Puszta-Söhne". Schön.
Der Ball ist von Lego. Ein Fußballspiel dauert 10 Minuten 34 Sekunden. Wer "Die Helden von Bern" nicht gesehen hat, hat vom Fußball keine Ahnung. HAUKE GOOS
KulturSPIEGEL 10/2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.
Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://corporate.spiegel.de finden Sie Angebote für die Nutzung von SPIEGEL-Content zur Informationsversorgung von Firmen, Organisationen, Bibliotheken und Journalisten.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizenzieren.