26.04.2004

POP & JAZZNeue CDs Pop

Sondre Lerche: "Two Way Monologue" (Virgin)
Aus Norwegen kamen in den letzten Jahren erstaunlich viele tolle Platten. So wie das Debüt dieses blutjungen Barden aus Bergen. Auch sein zweites Album ist spektakulär gelungen. Die verschmitzt kunstvollen Popsongs erinnern zwar an Jonathan Richman und Ray Davies, bestätigen aber Sondre Lerche als gewaltiges Talent. Das Vergnügen perfekt machen die schönen Streicher-Arrangements vom Chef der britischen High Llamas.
George Harrison: "The Dark Horse Years 1976-1992" (EMI)
Kaum ist ein Pop-Held unter der Erde, werden irgendwelche Nachlass-CDs in die Läden gekarrt. Diese Box mit fünf CDs, einer Doppel-SACD und einer DVD, mehr als zwei Jahre nach dem Tod des stillen Beatle veröffentlicht, ist trotzdem toll: Sie enthält vergriffene Solo-Alben mit Bonus-Raritäten plus noch mehr Kostbarkeiten auf der DVD. Davon ist einiges Murks, vieles aber phantastisch. Und als Solist musste sich George vor John und Paul sowieso nie verstecken.
Diverse: "Lost in Translation" (Rykodisc/Rough Trade)
Mit dieser Filmmusik meldet sich einer der großen Verschollenen der Popmusik zurück. Der Brite Kevin Shields wurde vor zehn Jahren als Chef der Lärm-Poeten My Bloody Valentine berühmt. Verschreckt von Ruhm, Rummel und Rausch zog er sich zuletzt komplett ins Privatleben zurück. Auf dieser schön zusammengestellten CD ist er neben Air oder Phoenix mit vier neuen Kompositionen vertreten. Fortsetzung folgt hoffentlich bald.
Ron Sexsmith: "Retriever" (V2/Rough Trade). Ab 3.5. %
Es ist ein Jammer mit diesem Mann. Der kanadische Barde veröffentlicht eine fabelhafte Platte nach der anderen und wird von Kollegen wie Elvis Costello und Paul McCartney geliebt und gelobt. Wie bei vielen Talenten seiner Klasse blieb der große Durchbruch rätselhafterweise bisher dennoch aus. Zum Glück gibt der Mann trotzdem nicht auf. Um es kurz zu machen: Auch dieses Album, auf dem er von zwei Travis-Jungs und Ed Harcourt unterstützt wird, ist phantastisch.
Grant-Lee Phillips: "Virginia Creeper" (Cooking Vinyl/Indigo)
Wer im kleinen feinen Largo Club in Los Angeles auftritt, darf sich zur Elite der nachgewachsenen amerikanischen Singer-Songwriter zählen. Aimee Mann gehört dort zum Stammpersonal, aber auch Grant-Lee Phillips. Der war mal mit seiner Band Grant Lee Buffalo erfolgreich. Seit deren Ende produziert er im Alleingang exquisiten Folk- und Country-Kammerpop. Auch auf Platte ist das ein echtes Erlebnis.
Diverse: "Ave Marina - Ten Years of Marina Records" (Marina/Indigo) %
Zu den Kuriositäten des Musikgeschäfts gehört, dass die besten schottischen Gitarren-Pop-Platten der vergangenen Jahre von einer kleinen Firma in Hamburg veröffentlicht wurden. Ihren zehnten Geburtstag feiern die Hanseaten nun auf einer exzellenten Doppel-CD mit exklusiven und raren Gratulationen von Künstlern wie Edwyn Collins, The Pearlfishers, James Kirk oder Roddy Frame. Dazu verneigen sich Landsleute wie der Plan, Peter Thomas und die Zimmermänner mit ihren Songs. Da feiert man gern mit. CHRISTOPH DALLACH
Von CHRISTOPH DALLACH

KulturSPIEGEL 5/2004
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