26.07.2004

POP & JAZZ

Porno macht Spaß

Von DALLACH, CHRISTOPH

Das britische Elektro-Pop-Duo Client scherzt mit süßen Schmutzphantasien.

Neben Ehescheidungen und dem Sammeln von Immobilien gehört das Betreiben eigener Plattenfirmen zu den teureren Nebenbeschäftigungen besser verdienender Popstars. Die Beatles leisteten sich "Apple", die Pet Shop Boys "Spaghetti", Madonna "Maverick", und Andy Fletcher betreibt "Toast Hawaii". Wer sich nun fragt, wer zum Teufel Andy Fletcher ist, findet seinen Namen im klein Gedruckten aller Depeche-Mode-Platten, als deren Keyboarder er so steinreich geworden ist, dass er sich eben eine eigene Plattenfirma leisten kann.

Mit dem Duo Client hat er gleich viel versprechend losgelegt. Die beiden Engländerinnen Sarah Blackwood und Kate Holmes, die sich als Künstlerinnen Client A und Client B nennen, produzieren feine Elektro-Pop-Platten, die so auch in den achtziger Jahren hätten entstehen können.

Blackwood war zuvor mal als Sängerin von Dubstar erfolgreich, Holmes mit Frazier Chorus und Technique. Clients neues, zweites Album "City" erinnert an New Order, Human League und auch an die Band ihres Firmenbosses. Zu eingängigen Melodien singen die beiden Frauen über die Tristesse des Alltags und die Freuden der Pornografie. Dank guter Beziehungen sind allerlei prominente Gäste auf dem Album zu hören: Martin Gore, der Songwriter von Depeche Mode, und Pete Doherty, Sänger und Sorgenkind der Britrocker The Libertines, die, wie es der Zufall so will, von Sarahs Gatten Alan McGee gemanagt werden. Für ihre Plattenhüllen lassen sich die beiden Damen immer nur unterhalb ihrer Köpfe ablichten. "Wir sind keine 18 mehr und wollen mit den Barbie-Puppen in den Hitparaden nicht konkurrieren", sagt Sarah Blackwood. "Wir schreiben lieber schmutzige Elektro-Hits." Wenn das gut laufen sollte, können sich die beiden vielleicht ja auch eines Tages eine eigene Plattenfirma leisten. CHRISTOPH DALLACH

Konzert: 19.8. im Musterraum der Münchner Pinakothek der Moderne, Tel. 089/51 91 99 16; Album: "City" erscheint am 27.9.


KulturSPIEGEL 8/2004
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