28.02.2005

Neue CDs Klassik

Carlo Gesualdo da Venosa: "Responsoria" (Usha Records/Musikwelt)
Der Fürst aus Neapel (gestorben 1613) ist für seine Madrigale mit kühnen Tonartwechseln berühmt. Doch auch bei ihm gibt es noch Raritäten: Die geistlichen Gesänge zu sechs Stimmen, vom Vienna Vocal Consort lupenrein gestaltet, entrücken den Hörer in Klangmysterien, die fernöstlicher Versenkung nahe kommen. Da verwundert es gar nicht, dass Vijay Upadhyaya, der feinfühlige Leiter des Ensembles, aus Indien stammt.
Carl Nielsen: "Maskarade" (Dacapo)
Für die Dänen ist dieser Opern-Glücksfall von 1906 so etwas wie ihr "Rosenkavalier": Ludvig Holbergs Situationskomödie um ein Liebespaar, das den mürrischen alten Jeronimus überlistet und auf dem Maskenball zusammenfindet, wird durch Carl Nielsens kaleidoskopische Musik, aber auch den pfiffig gereimten Text - in dem Gespenster und besoffene Offiziere deutsch reden - zum Vergnügen. Die klassische Aufnahme von 1977 glänzt mit einem Ensemble voller Spielfreude.
W. A. Mozart: "Streichquartette KV 387 und 421" (Profil Edition G. Hänssler)
Gerade weil Mozarts Musik so leicht klingt, ist sie besonders schwer zu spielen. Doch die vier jungen Damen vom Klenke Quartett - Annegret Klenke, Beate Hartmann, Yvonne Uhlemann und Ruth Kaltenhäuser - lassen sich nicht einschüchtern, im Gegenteil. Famos aufeinander abgestimmt, bringen sie mit schlankem Ton und schwungvollen Tempi Proportionen wie Pointen der Werke souverän zum Sprechen.
"Duo Villarceaux - Ravel und Debussy" (Thorofon/Bella Musica)
So nah sind die Übergangsmeister einander selten: In der Klavierversion von Ravels "Rhapsodie Espagnole" und Debussys Suite "En blanc et noir" winkt noch fern der Pomp des Fin de Siècle; in den listig naiven Märchenszenen aus "Ma mère l'oye" und den "Six épigraphes antiques" regieren schon Ernst und Ironie. Das Duo Villarceaux trifft die lyrische Unruhe dieser Stimmungsbilder genau. JOHANNES SALTZWEDEL
Von JOHANNES SALTZWEDEL

KulturSPIEGEL 3/2005
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