30.10.2006

Neue DVDs und CDs Klassik

Gaetano Donizetti: "L'Elisir d'Amore" (DVD - Virgin Classics). Ab 17.11.
Nemorino schmachtet vergebens die kapriziöse Adina an, bis ein vermeintlicher Liebestrank beide doch noch zusammenbringt. Otto Schenks Uralt-Inszenierung für die Wiener Staatsoper lässt die duftige Komödie geradezu vorsintflutlich bieder aussehen. Aber wie Anna Netrebko und Rolando Villazón ihre Rollen gestisch und sängerisch auskosten, ist das schiere Hör- und Sehvergnügen. Einmal legt der gewandte Tenorstar beim Singen sogar eine kleine Jongleurnummer hin.
"Angelika Kirchschlager singt Händel-Arien" (Sony Classical)
Als Barock-Fachkraft ist die Mezzosopranistin bislang nicht aufgefallen. Um so achtbarer, wie elegant und natürlich sie die zwölf teils vertrackten Arien aus "Ariodante", "Giulio Cesare" und "Arianna" meistert. Laurence Cummings und das Basler Kammerorchester begleiten unideologisch frisch und lassen der sympathischen Solistin diskret den akustischen Vortritt.
György Kurtág: "Sämtliche Chorwerke" (Hänssler Classic)
Wie sieht die Eigernordwand des Chorgesangs aus? Vielleicht so wie diese erstaunliche, hier erstmals aufgenommene Musik: Im Grunde müssen alle Sänger absolutes Gehör mitbringen - und dann fängt die Feinarbeit am Zusammenklang erst an. Das SWR-Vokalensemble unter Marcus Creed zeigt, dass Rundfunkgebühren bisweilen doch sehr gut angelegt sind.
Giulio Regondi: "Souvenir d'amitie" (MDG)
Seinen Namen kennen nur Experten - Akkordeon-Experten: Noch heute sind die Werke von Giulio Regondi (1823 bis 1872) Prüfsteine echter Virtuosität auf dem Handbalginstrument. Helmut C. Jacobs, 49, renommierter Akkordeonist, Regondi-Fachmann und im Zweitberuf Romanistikprofessor an der Uni Duisburg, lässt seine Finger auf den Knöpfen tanzen und liefert die historischen Erläuterungen gleich mit.
"Voglio il Core" - Venezianische Cembalomusik um 1574 (Klangrede)
Ertönten diese bunten Toccaten, Canzonen- und Madrigalbearbeitungen wirklich im Salon der Kurtisane Veronica Franco? Beweise hat die Wiener Cembalistin Susanne Pumhösl nicht - doch ihre Auswahl überzeugt auch so, und ihr charaktervolles Spiel erst recht. Die geschmackvolle CD hat sie selbst hergestellt; es gibt sie nur bei ihr (www.susannepumhoesl.com).
"Kirsten Flagstad singt Grieg und Wagner" (BBC Legends)
1955 wurde sie 60, eigentlich war sie bereits von der Bühne abgetreten. Aber John Culshaw, Plattenpionier der Decca, lockte die große Norwegerin mit dem unverwechselbar leuchtenden Sopran-Timbre noch ein paar Male zurück aufs Podium. Diese herrlichen, zu Herzen gehenden Live-Aufnahmen beweisen, wie recht er hatte. JOHANNES SALTZWEDEL
Von JOHANNES SALTZWEDEL

KulturSPIEGEL 11/2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


KulturSPIEGEL 11/2006
Titelbild
Abo-Angebote

Sichern Sie sich weitere SPIEGEL-Titel im Abo zum Vorteilspreis!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

  • Giraffe überlebt Löwenangriff: Raubkatze im Nacken
  • Naturspektakel: Warum die Niagarafälle (nur fast) zugefroren sind
  • Griechenland: Namensstreit um Nord-Mazedonien
  • Vermisster Fußballer: Mahnwachen für Emiliano Sala