Von SANDER, DANIEL
Dass er Talent hat, ist ganz offiziell bestätigt, von einer Fachjury. Auf dem diesjährigen Max-Ophüls-Festival in Saarbrücken bekam Florian Bartholomäi, 20, für seine Rolle in "Reine Geschmacksache" den Preis für den besten Nachwuchsdarsteller und als Bonus eine an Euphorie schwer zu übertreffende Urteilsbegründung: Er spiele seine Rolle "mit verblüffender Leichtigkeit und einer großer Natürlichkeit", hieß es da. Nicht zu vergessen seine "beeindruckende Sensibilität" und "sein einfühlsames, präzises Spiel zwischen Komik und den widersprüchlichen, komplexen Gefühlen eines jungen Mannes". Das klingt übertrieben, ist es aber nicht. Es trifft es sogar ziemlich genau.
Der Betroffene übt sich bei so viel Lob lieber in Bescheidenheit. "Immerhin ist Edgar Selge in dem Film mein Vater", sagt er beim Gespräch in einem Berliner Bistro. "Der ist so gut - das verpflichtet einen einfach, dagegenzuhalten." Bartholomäi hat in der gelungenen Komödie "Reine Geschmacksache" (Start: 9. August) von Ingo Rasper zum Glück einen Part, aus dem sich einiges machen lässt. Denn als Sohn des Damenmode-Vertreters Wolfi Zenker ist er schwer geprüft: Das fängt damit an, dass ihm die Spanienreise in letzter Minute verboten wird, weil Papa seinen Führerschein verloren hat und einen Fahrer braucht. Dass der Vater das Ausbildungskonto seines Sohns plündert, um den neuen Mercedes zu finanzieren, ist die Fortsetzung des Unglücks. Nur gerecht, dass der Sohn sich ausgerechnet in den Erzfeind des Vaters verliebt, den jung-dynamischen Vertreter-Kollegen Steven (Roman Knizka). Bartholomäi macht seine Figur mit staunenden Augen zum Sympathieträger und findet dabei das Timing, das eine Komödie erst komisch macht. "Ich hätte nicht gedacht, dass das so gut klappt", sagt er. "Während des Drehs hab ich mich manchmal schon gefragt, ob das überhaupt lustig ist, was ich da mache." Jetzt ist er erst mal gespannt, was die Zukunft bringt, er könnte der Mann von morgen werden. "Reine Geschmacksache" ist nach dem Jugenddrama "Kombat Sechzehn" erst seine zweite große Kinorolle. "Früher war es nie mein Wunsch, Schauspieler zu werden", sagt er. "Jetzt habe ich längst Blut geleckt." Harvey Keitel und Robert De Niro zählen zu seinen Vorbildern, und er ist ehrgeizig genug, von einer solchen Karriere wenigstens zu träumen. "Momentan läuft es gut", sagt er lakonisch. "Aber ich bin generell unzufrieden mit allem. Es geht immer irgendwie besser." DANIEL SANDER
KulturSPIEGEL 8/2007
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