Von SALTZWEDEL, JOHANNES
J. S. Bach: "Das wohltemperierte Klavier" - K. Lifschitz (VAI)
Da sitzt einer an den Tasten, neben sich nur ein paar komische Grünpflanzen - und spielt auswendig das ganze "Alte Testament" (Hans von Bülow) der Klavierliteratur, in Tonarten-Reihenfolge. Was der scheue Großmeister Konstantin Lifschitz 2008 in Miami leistete, war Ton-Meditation der Sonderklasse. Welch ein Glück, dass der Abend sauber dokumentiert wurde.
Ludwig van Beethoven: "Cellosonaten op. 5, 1 und 2 / op. 69"
(Ars)
Warm und füllig oder analytisch-herb? Wo viele große Cellisten glaubten, sich entscheiden zu müssen, gelingt Friedrich Kleinhapl die Synthese. Er spielt die herrlichen Werke locker und doch enorm passioniert; Andreas Woyke verleiht dem oft dominanten Klavierpart Sanglichkeit, Dynamik und mitreißenden Schwung. Hoffentlich folgt bald der zweite Teil.
Joseph Haydn: "Sämtliche Lieder"
(PentaTone)
"Historisch informierte" Darbietungen sind gar keine neue Erfindung. In diesen edel remasterten Quadro-Aufnahmen von 1980 führt Jörg Demus vor, wie unprätentiös man Haydns Hammerflügel ahnen lassen kann. Elly Amelings natürlich-schöner Sopran trifft souverän das Wesen der viel zu wenig bekannten, oft witzigen Rokoko-Charakterstücke.
"Wilhelm Furtwängler: The complete RIAS recordings"
(audite). Ab 15.5.
Es gibt noch echte Schätze zu heben: Von Furtwänglers Nachkriegskonzerten existieren bis heute die Originalbänder. Neben Brahms und Bruckner dirigierte der Pult-Ekstatiker auch Gluck oder Blacher. Die Bonus-CD bringt eines der raren Interviews mit Furtwängler in voller Länge: Mancher Nachfrage wich er geradezu listig aus. JOHANNES SALTZWEDEL
KulturSPIEGEL 5/2009
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