26.10.2009

Die Kämpferin

Der Weg der Schauspielerin Julischka Eichel begann in einem schwäbischen Dorf. Jetzt spielt sie ein Mädchen in der DDR.
Abschlussfeier. Berliner Premiere 13.11. im Gorki Theater, Tel. 030/ 20 22 11 15. Am 23. u. 24.11. wieder in Dessau, Tel. 0340/251 13 33.
S ie ist viel unterwegs, das ist der Fluch der Co-Produktionen. In Köln tritt sie auf, in Dessau spielt sie in Einar Schleefs "Abschlussfeier". Und am Berliner Gorki Theater, wo die Schauspielerin Julischka Eichel eigentlich zu Hause ist, ist sie u.a. die Tochter des Kaufmanns von Venedig. Aber ihr mache das nichts aus, sagt Eichel. "Wenn ich überhaupt mal etwas anderes werden wollte als Schauspielerin, dann Zigeunerin." Schwieriger seien die Reisen im Kopf: "Mal bin ich in Venedig, mal in der DDR." Die "Abschlussfeier", inszeniert von Armin Petras, spielt Ende der Siebziger in einer Jugendherberge an der Ostsee, wo der Staat Treffen zwischen jungen DDR-Bürgern und Franzosen organisierte - eine Welt, die Eichel, 1981 in Tübingen geboren, nie gesehen hat. Aber das Gefühl des Gefangenseins in einem System, das kenne sie, sagt die Schauspielerin: "Dass die Sehnsucht, da rauszukommen, so stark ist, dass man dafür kämpfen muss."
Eichel ist in einem schwäbischen Dorf aufgewachsen. Erst nach dem 13. Vorsprechen wurde sie an einer Schauspielschule aufgenommen, an der "Ernst Busch" in Berlin. Dort stand erst mal der Kampf gegen den Dialekt an. Aber am Ende der Ausbildung, 2007, gewann sie gleich mit ihrem ersten Engagement den Alfred-Kerr-Darstellerpreis als beste Nachwuchsschauspielerin. Auch Eichels Figuren strahlen diesen Kampfgeist aus, den Willen zur Autonomie, eine Unbedingtheit auch noch in der Verzweiflung. Darauf kommt es an - in Venedig wie in der DDR. ANKE DÜRR
Von ANKE DÜRR

KulturSPIEGEL 11/2009
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KulturSPIEGEL 11/2009
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