AB 1.4.
Gesetz der Straße - Brooklyn's Finest. Regie: Antoine Fuqua. Mit Ethan Hawke, Richard Gere, Don Cheadle, Wesley Snipes.
Drei Polizisten in Brooklyn hadern mit ihren persönlichen und professionellen Dämonen: ein Alkoholiker kurz vor der Rente, der jeden Idealismus verloren hat; ein aufrechter Undercover-Cop, der seinen besten Freund verraten muss, und ein junger Familienvater, den die Geldnot in die Korruption treibt. Zum Schluss laufen die Schicksale wenig überzeugend zusammen. Bis dahin aber solide und spannend inszeniert.
Greenberg. Regie: Noah Baumbach. Mit Ben Stiller, Greta Gerwig, Rhys Ifans.
40-jähriger Überzeugungs-Egozentriker aus New York zieht für eine Weile bei seinem wohlhabenden Bruder in Los Angeles ein und versucht, sein Leben auf die Reihe zu bekommen, allerdings ohne sich besonders anstrengen zu wollen. Dabei verliebt er sich in die junge, ähnlich orientierungslose Hausangestellte, so- weit er zu solchen Gefühlen überhaupt fähig ist. Bitter-amüsanter Neurotiker-Reigen, den es im amerikanischen Independent-Kino in ähnlicher Form zwar schon ziemlich oft, aber selten so stimmig zu sehen gab. Gar nicht schlecht: Stiller als Woody Allen von heute.
AB 8.4.
Neukölln Unlimited. Regie: Agostino Imondi, Dietmar Ratsch.
Neues aus Deutschlands gefürchtetstem Problembezirk: Ein Jahr lang begleitet diese sympathische Doku die drei ehrgeizigen libanesischen Geschwister Hassan, Lial und Maradona bei ihrem Versuch, es in Berlin-Neukölln zu etwas zu bringen. Zur Wahl und in Konkurrenz zueinander stehen als Mittel vor allem Breakdance und Bildung. Währenddessen droht ihnen stets die Abschiebung. Ein optimistischer, authentisch wirkender Film, auch wenn am Ende etwas zu viele Fragen unbeantwortet bleiben.
Nothing Personal. Regie: Urszula Antoniak. Mit Stephen Rea, Lotte Verbeek.
Eine junge Niederländerin wandert auf der Suche nach völliger Ruhe durch Irland, andere Menschen kann sie nicht ertragen. Schließlich arrangiert sie sich mit einem älteren Mann, der in seinem Haus selbst als passionierter Einzelgänger lebt, ihr aber für ein paar Gärtnerdienste immerhin regelmäßiges Essen anbietet. Zwar verweigern sich die beiden jedem längeren Gespräch, kommen sich langsam aber doch ein bisschen näher. Die Protagonisten sagen wenig, die traumwandlerischen Bilder dafür umso mehr. Unprätentiöses Arthouse-Kino, kurz, prägnant und gut.
A Single Man. Regie: Tom Ford. Mit Colin Firth, Julianne Moore, Matthew Goode.
Wie ein Mensch zerbricht und die Scherben ganz allein zusammensetzen muss, aber nicht kann: Ein Literaturprofessor im Los Angeles von 1962 geht in stiller und unendlich tiefer Trauer durch den Tag, den er nach dem Unfalltod seines Lebensgefährten zum letzten seines Lebens erklärt hat. Traurig schöne Verfilmung des Christopher-Isherwood-Romans vom früheren Gucci-Designer Ford, wundervoll gespielt und, natürlich, extrem stilsicher.
Zeit des Zorns. Regie: Rafi Pitts. Mit Rafi Pitts, Mitra Hajjar.
Ein Nachtwächter in Teheran verliert Frau und Tochter, die zufällig in politische Unruhen hineingeraten sind. Verzweifelt und frustriert von den Behörden, wird er erst zum Rächer und dann zum Gejagten. Kritisches, packendes Kino aus Iran, dem etwas weniger eiskalte Distanz vor allem im letzten Drittel gutgetan hätte.
AB 15.4.
Das Bildnis des Dorian Gray. Regie: Oliver Parker. Mit Ben Barnes, Colin Firth.
Oscar Wildes Roman über einen schönen Jüngling im viktorianischen London, der nicht altert und dessen moralischer und körperlicher Verfall nur auf einem Gemälde sichtbar ist, hat schon einige gescheiterte Verfilmungen inspiriert. Diese versucht es mit relativer Vorlagentreue und Edelhorror-Optik, was angesichts der totalen Fehlbesetzung der Hauptrolle aber auch nicht viel hilft.
Coco Chanel & Igor Strawinski. Regie: Jan Kounen. Mit Anna Mouglalis, Mads Mikkelsen, Anatole Taubman.
Beeindruckt von Strawinskis furioser Ballettmusik "Le sacre du printemps" und dem Premiereneklat 1913, lädt Modeschöpferin Coco Chanel sieben Jahre später als Mäzenin den darbenden Neutöner mitsamt kränkelnder Frau und vier Kindern in ihr Haus. Das halbgar inszenierte Geplänkel um ihre Affäre erschöpft dann nicht nur alle Beteiligten, sondern auch den Zuschauer.
Date Night. Regie: Shawn Levy. Mit Tina Fey, Steve Carell, Mark Wahlberg.
Biederes Vorstadtehepaar wird beim Ausflug in ein hippes Restaurant in Manhattan mit einem Gangsterpärchen verwechselt und in eine wüste Erpressergeschichte hineingezogen. Die TV-Helden Fey ("30 Rock") und Carell ("The Office") lassen auf subversiven Humor hoffen, am Ende reicht es aber nur zu harmloser Komödienware etwas höheren Standards.
AB 22.4.
Young Victoria. Regie: Jean-Marc Vallée. Mit Emily Blunt, Rupert Friend.
Vor sich hin plätscherndes, mit dem Kostüm-Oscar dekoriertes Plüschdrama über das Liebesglück der jugendlichen britischen Königin Victoria, um die herum Intriganten nach Einfluss auf die Staatsgeschicke lechzen. Ein optisches Sahnestück für Fans von TV-Adelsfestlichkeiten, für Royalisten und Tories erbaulich, für Republikaner und Jakobiner quälend.
Chloe. Regie: Atom Egoyan. Mit Julianne Moore, Amanda Seyfried, Liam Neeson.
Einsame Ehefrau verdächtigt ihren Gatten der Untreue und engagiert eine junge Prostituierte, um ihn auf die Probe zu stellen. Die nicht überoriginelle Handlung ist weitgehend aus Anne Fontaines nicht übermäßig geglücktem Beziehungsdrama "Nathalie" übernommen, wird aber unter der Regie Egoyans und mit Hilfe eines tollen Darstellertrios in diesem Fall deutlich gewinnbringender eingesetzt. Sinnliches, intelligentes Kino für Erwachsene.
Kick Ass. Regie: Matthew Vaughn. Mit Aaron Johnson, Nicolas Cage, Chloë Moretz.
Highschool-Loser erklärt sich zum Superhelden und wird trotz albernen grünen Kostüms und der Abwesenheit irgendwelcher Kräfte zum gefeierten Rächer. Wenn es hart auf hart kommt, unterstützen ihn ein wütender, verkleideter Ex-Cop und dessen elfjährige Tochter, die Gegner gern mit üblen Kraftausdrücken beleidigt, bevor sie ihnen ein möglichst brutales Ende bereitet. Beginnt originell und witzig, auf Dauer wirkt das angestrengt krasse Möchtegern-Tarantino-Gehabe aber etwas ermüdend.
Vincent will Meer. Regie: Ralf Huettner. Mit Florian David Fitz, Karoline Herfurth.
Es gibt zwei schöne Gründe für diese oft windschiefe Komödie um die Flucht dreier beschädigter junger Menschen aus der Therapieanstalt, in die man sie abgeschoben hat. Ralf Huettners Film mag durch platte Dialoge und flaue Witze nerven und einen geradezu lachhaften Mangel an Tempo und Rhythmus, aber die beiden Liebenden im Zentrum verleihen ihm eine tolle Wucht: Florian David Fitz als am Tourette-Syndrom leidender Vincent und Karoline Herfurth als magersüchtige Marie sind verstört in der Birne und wild at heart.
Vorsicht Sehnsucht. Regie: Alain Resnais. Mit Sabine Azéma, André Dussollier.
Ein leicht depressiver, alternder Pariser findet die Brieftasche einer extravaganten Zahnärztin und Hobbypilotin und stellt ihr so aufdringlich nach, bis sie erst die Polizei ruft und dann selbst langsam besessen wird. 50 Jahre nach sei-nem Spielfilmdebüt "Hiroshima, mon amour" zeigt Großmeister Resnais, dass er es noch kann: eine verspielte, täuschend leichtfüßige Romanverfilmung zwischen überdrehter Komödie und dunklem Psychodrama, in der nichts eindeutig ist und alles zur Interpretation einlädt. Deutungsvorschläge für den rätselhaften Schlusssatz nimmt die Redaktion gern entgegen. Für den besten Vorschlag gibt es eine DVD.
KulturSPIEGEL 4/2010
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