DER SPIEGEL



Von innen leuchtend

Von Saltzwedel, Johannes

In München arbeitet ein stiller Star mit Virtuosen-Elan und großer Entdeckerfreude: der Cellist Wen-Sinn Yang.

D avidoff - ist das nicht was Längliches, Braunes für Raucher? Auch viele Cello-Freunde werden bei dem Namen nicht sofort an spätromantische Harmonien denken. Doch das könnte sich bald ändern. Kürzlich hat Wen-Sinn Yang auch die beiden letzten der vier Konzerte des gebürtigen Kurländers Carl Davidoff (1838 bis 1889), der als Dozent und schließlich als Leiter des St. Petersburger Konservatoriums zur russischen Musikelite zählte, aufgenommen. Das Ergebnis spricht, ja leuchtet für sich: So melodienfroh, elegant und immer wieder symphonisch kraftvoll sind diese Werke, dass jeder Cellist mit ihnen glänzen könnte - wäre der Solopart nur nicht bisweilen eklig schwer. Da braucht es schon eine Leichtigkeit, die nur wenige erreichen. Yang, 45, lange Solocellist im Orchester des Bayerischen Rundfunks, nimmt Fingerakrobatik und verträumte Kantilenen gleichermaßen souverän und führt so kongenial vor, was Eckhardt van den Hoogen im lesenswerten Booklet-Text Davidoffs "Sog" nennt. Dass diese selbstverständliche Virtuosität der Tschaikowski-Ära nur eines seiner vielen Stilregister darstellt, beweist Yang mit einem Solo-Sampler, der für Liebhaber des Celloklangs ein wahres Feuerwerk der Genüsse bietet: Paganini-Variationen und weitere Bravour-Piècen am Rand des physisch Möglichen, aber auch ausdrucksstarke Sonaten von Ysaÿe und Kodály zeigen einen gelassenen Meister abseits allen Starrummels, der noch viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

Wen-Sinn Yang: "Carl Davidoff - Cellokonzerte 3 und 4" (cpo); "Werke für Cello solo" (Avie)


KulturSPIEGEL 7/2010
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