Von Saltzwedel, Johannes
N atürlich mangelt es an Schumann-Sängern in Deutschland überhaupt nicht. Prégardien, Quasthoff, Goerne, Gerhaher, Güra, Müller-Brachmann, das sind nur ein paar Namen von erstklassigen Interpreten. Und doch hat der Tenor Maximilian Schmitt, 34, kaum Mühe, sich gegen die vielen Könner zu behaupten: Ein duftig-helles Timbre, reine Höhe und erfrischende Natürlichkeit, so eine Kombination hat es lange nicht mehr gegeben. Die Londoner "Sunday Times" erklärte seine Stimme zu "einer der schönsten seit Fritz Wunderlich". Nun können sich Gesangsfreunde auch abseits von Konzerten ihr Urteil bilden: Für sein Solodebüt, sensibel begleitet von Gerold Huber, hat Schmitt neben drei Entdeckungen bei Clara Schumann die wohl heikelsten Liederzyklen ihres Mannes gewählt, die nach Heinrich Heine. Wehmut und Liebeszweifel stehen da neben beißender Ironie und finsterem Hohn; der Ausdruck bildet die Gratwanderung zwischen Gefühlsabgründen nach, die auch Heine und Schumann empfunden haben müssen. Schmitt, der bei den "Domspatzen" im heimatlichen Regensburg startete, kann seiner Kehle trauen und reizt ihre Möglichkeiten lieber vorsichtiger aus als denkbar. Das Resultat, ein seidig-nobler Klang, überspielt locker alle noch so raffinierten Deklamationskünste aus der Schule Dietrich Fischer-Dieskaus. Bei dramatischen Passagen könnte der Tenor sicher zulegen - aber dafür hat er ja noch eine Menge Zeit.
Maximilian Schmitt:
"Träumend wandle ich bei Tag", Klavier: Gerold Huber (Oehms Classics)
KulturSPIEGEL 2/2011
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