23.04.2011

Letzte Rettung

Mel Gibson kämpft in Jodie Fosters neuem Film „Der Biber“ um seine Karriere.
W ill diesen Mann noch jemand sehen? Mel Gibson - einst einer der beliebtesten Schauspieler der Welt, Oscar-Preisträger, Erfolgsregisseur - hat seine Karriere in wenigen Jahren mit Randale unter Alkoholeinfluss, Festnahmen und antisemitischen wie rassistischen Sprüchen selbst zerstört. Was in der Öffentlichkeit an gutem Willen ihm gegenüber übrig war, dürfte die von seiner Ex-Freundin aufgezeichnete Telefon-Drohtirade ausgelöscht haben, in der er ihr mit bebender Stimme eine Massenvergewaltigung wünschte. Seine langjährige Agentur William Morris entschloss sich daraufhin, die Zusammenarbeit zu beenden. Gibson ist nicht mehr vermittelbar. Doch tief drinnen in diesem offenbar kaputten, von Alkoholsucht und Depressionen zerstörten Wesen steckt auch noch der begnadete Künstler von früher. In Jodie Fosters dritter Regiearbeit "Der Biber", gedreht vor dem Telefonskandal, spielt er einen depressiven Familienvater, der nach einem gescheiterten Selbstmordversuch nur noch über eine Handpuppe in Form eines Bibers mit der Außenwelt kommunizieren kann und auf diesem Weg langsam in die Welt zurückzufinden scheint. Es ist eine merkwürdige Mischung aus Farce und Tragödie, manchmal unentschlossen und unglaubwürdig, immer berührend. Und das Beste daran ist Hauptdarsteller Gibson, der in jeden Blick die unendliche Traurigkeit eines Mannes legt, der an der Kunst des Lebens schon lange gescheitert ist.
Der Biber.
Regie: Jodie Foster. Mit Mel Gibson, Anton Yelchin, Jodie Foster.
Start: 19.5.
Von Daniel Sander

KulturSPIEGEL 5/2011
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