30.05.2011

Premieren im Juni

BERLIN
Die Kunst war viel populärer, als ihr noch keine Künstler wart! Uraufführung am 17.6. in der Volksbühne. Auch am 18., 22. und 30.6., Tel. 030/24 06 57 77.
Kreativität ist die Eigenschaft, die im Kapitalismus des 21. Jahrhunderts gefragt ist. René Pollesch will sich mit seinen Mitstreitern (darunter Marlen Diekhoff) dem Thema stellen.
Die spanische Fliege. Premiere am 29.6. in der Volksbühne, Tel. 030/24 06 57 77.
Seinem Abgang von der Volksbühne als Schauspieler wurde wenig Beachtung geschenkt - jetzt kehrt Herbert Fritsch als Regisseur der Stunde (s. KulturSPIEGEL 5/2011) zurück. Wolfram Koch und Sophie Rois spielen in dem Schwank aus dem Jahr 1913 das Ehepaar Klinke.
Tape. Premiere am 11.6. in den Kammerspielen des Deutschen Theaters. Auch am 12., 13. und 25.6., Tel. 030/28 44 12 25.
Kleines Stück mit großer Besetzung: Nina Hoss, Felix Goeser und Bernd Moss spielen das Drama von Stephen Belber über zwei amerikanische Provinz-Jungs, die sich am Heimatort wiedertreffen. Damals liebten sie dasselbe Mädchen. Stefan Pucher führt Regie.
Onkelz. Premiere am 27.6. im HAU 2. Auch 29.6.-2.7., Tel. 030/25 90 04.
Tamer Yiğit und Branka Prlić beschäftigen sich mit der umstrittenen Band Böhse Onkelz. Was ist links, was ist rechts? Und darf man als Migrationshintergründler Onkelz-Fan sein?
BOCHUM
Die Jungfrau von Orleans. Premiere am 9.6. in den Kammerspielen. Auch am 12. und 26.6., Tel. 0234/33 33 55 55.
Regisseur Roger Vontobel will in Schillers romantischer Tragödie die "politische Dimension" entdecken.
DRESDEN
Diesen Kuss der ganzen Welt. Uraufführung am 11.6. im Kleinen Haus 3 des Staatsschauspiels.
Um Liebe und Freundschaft im Zeitalter von Globalisierung und Facebook dreht sich dieses Schiller-Projekt von Dorle Trachternach und Miriam Tscholl (die auch Regie führt). 19 Dresdner, die aus aller Welt stammen, sind bei dieser Produktion der "Bürgerbühne" dabei.
FRANKFURT/MAIN
Ein Sommernachtstraum. Premiere am 1.6. im Zelt am Honsell-Dreieck. Auch 2., 4.-6., 9.-11., 13., 15., 19., 20., 23., 25. und 26.6., Tel. 069/21 24 94 94.
Das Schauspiel macht aus der Umbau-Not eine Zelttheater-Tugend und verlegt Shakespeares Zauberwald ins Frankfurter Ostend. Es inszeniert Markus Bothe.
FREIBURG/BREISGAU
Die Grünen. Eine Erfolgsgeschichte. Uraufführung am 10.6. im Theater. Auch am 15., 16., 18., 21. und 24.6., Tel. 0761/ 201 28 53.
Diese Geschichte ist gerade en vogue, wurde bisher aber vor allem von Journalisten erzählt. Jarg Pataki und Viola Hasselberg halten sie für bühnentauglich.
HAMBURG
Faust. Öffentliche Probe am 16.6. im Thalia Theater, Tel. 040/32 81 44 44.
Nicolas Stemann probt schon seit vergangenem Sommer immer mal wieder an seinem Mammut-Faust-I-&-II-Projekt herum, das zu den Salzburger Festspielen fertig sein soll. Wie der Zwischenstand der Dinge ist, kann man sich jetzt mal wieder anschauen.
KöLN
Keiner weiß mehr. Uraufführung am 18.6. in der Schlosserei. Auch am 22., 23., 29. und 30.6., Tel. 0221/22 12 84 00.
Die Verzweiflung eines jungen Mannes, der sich in seiner gerade gegründeten Kleinfamilie gefangen fühlt, ist Thema des Romans von Rolf Dieter Brinkmann aus dem Jahr 1968. Stefan Nagel, 30, seziert ihn aus der Sicht der Generation danach.
MüNCHEN
Felix Krull. Premiere am 17.6. auf der Kleinen Bühne des Volkstheaters. Auch am 18., 22., 23. und 24.6., Tel. 089/523 46 55.
Der junge, begabte Regisseur Bastian Kraft inszeniert die Hochstaplergeschichte "nach Thomas Mann".
Macbeth. Premiere am 18.6. in den Kammerspielen. Auch am 19., 23., 29. und 30.6., Tel. 089/23 39 66 00.
Karin Henkel, die schon in Düsseldorf aus Tschechows "Kirschgarten" eine leicht überdrehte Komödie gemacht hat, sieht Shakespeares "Macbeth" als Balanceakt zwischen "Tragödie und Farce".
STUTTGART
Tod eines Handlungsreisenden. Premiere 4.6. im Nord. Auch 6., 7., 9.-12., 16.-18., 22., 24., 25. u. 27.-30.6., Tel. 0711/20 20 90.
Für Willy Loman war der Sinn des Lebens, zu funktionieren. Seine Söhne sehen das anders. Das ist das Drama. Jan Neumann, auch als Autor erfolgreich, inszeniert Arthur Millers Klassiker.
WEIMAR
Zorn & Zärtlichkeit (Arbeitstitel). Uraufführung am 30.6. im E-Werk, Tel. 03643/ 75 53 34.
Die Autorinnen Claudia Grehn und Darja Stocker entwickeln zusammen ein Stück über Menschen, die sich nicht alles gefallen lassen. Regie: Nora Schlocker.
FESTIVALS
Amsterdam: Holland Festival. 1.-26.6., Tel. 0031/20/523 77 87, www.hollandfesti val.nl
Das Festival ehrt noch einmal Christoph Schlingensief. Zu sehen sind seine Filme und seine beiden letzten Stücke, "Mea Culpa" aus Wien und "Via Intolleranza II", in dem er sein eigenes Afrikaengagement ironisch hinterfragt. Eine Uraufführung ist die gemeinsame Choreografie von Sidi Larbi Cherkaoui und David Dawson.
Hamburg: Live Art Festival. Kampnagel, 1.-11.6., Tel. 040/27 09 49 49, www.kamp nagel.de
"Wie wir uns aufführen" zeigen unter anderem die Performance-Gruppen Nature Theater of Oklahoma, Ligna (Achtung: Mitmachtheater), God's Entertainment und Showcase Beat Le Mot.
München: Tollwood. Olympiapark, 22.6.-17.7., www.tollwood.de
Ein prominent besetztes Musikprogramm, dazu internationale Theaterspektakel, die aber, das ist man dem Achtziger-Jahre-Geist des Tollwood-Festivals schuldig, zugleich die Missstände dieser Welt anklagen.
NRW: Impulse. 29.6.-10.7. in Bochum, Düsseldorf, Köln und Mülheim an der Ruhr, Tel. 0221/99 22 55 111, www.festivalimpul se.de
Die Überforderung ist hier erklärtes Programm. Wer alles sehen will, ist zum Marathon-Gucken inklusive Städte-Hopping aufgefordert. Zu den von der Jury ausgewählten "herausragenden Theaterproduktionen" der freien Szene gehört auch She She Pops König-Lear-Überschreibung "Testament", die schon von der Theatertreffenjury "bemerkenswert" gefunden wurde. Neuentdeckungen sind aber nicht ausgeschlossen.
Sommerszene Salzburg. 23.6.-14.7., Tel. 0043/662/84 37 11, www.sommerszene.net
Im Gegensatz zu den Salzburger Festspielen gilt hier das Woodstock-Motto "From now on this is a free festival" - quer durch alle Sparten. Mit dabei: Philippe Quesne (s. S. 40).
Zürcher Festspiele. 17.6.-10.7., Tel. 0041/ 44/206 34 34, www.zuercher-festspiele.ch
Mozart, Wagner, George Bizet - aber auch Stadt- und Landneurotiker: Milan Peschel mixt Anton Tschechow mit Woody Allen zur "Manhattan Möwe". Und Stefan Kaegi und Lola Arias haben acht Künstler beauftragt, in öffentlichen Orten, wie sie in jeder Stadt zu finden sind, Performances aufzuführen. Ihr Projekt "Parallele Städte" fand auch schon in Berlin, Buenos Aires und Warschau statt.

KulturSPIEGEL 6/2011
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KulturSPIEGEL 6/2011
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