25.07.2011

Aus der Asche

2008 verkündete Joaquin Phoenix, fortan rappen statt schauspielern zu wollen. Ein Film zeigt nun, wie es wirklich war.
D ie modernen Ikonen des Absturzes sind: Britney Spears mit Glatze, David Hasselhoff mit Burger und Joaquin Phoenix bei David Letterman. Phoenix, mit "Gladiator" oder "Walk the Line" berühmt geworden, hatte 2008 verkündet, keine Lust mehr auf Hollywood zu haben. Er wolle fortan rappen. Casey Affleck (der Bruder von Ben) filmte seitdem, wie Phoenix an seiner Selbstverwirklichung scheiterte und der Selbstzerstörung verfiel, von Tag zu Tag ungewaschener und unberechenbarer wurde. Als er in der Talkshow von Letterman ankam, vollbärtig und zugedröhnt, war er so wenig wiederzuerkennen, dass Letterman sagte: "Schade, dass Sie heute Abend nicht hier sein konnten, Joaquin." Dabei war Phoenix da. "I'm Still Here" heißt Afflecks Dokumentation, und kurz nach der Premiere verkündete er, die Handlung sei geplant gewesen. Kein Hoax, eher eine Performance, die sich an das Niederste unserer Kultur wagt: den Voyeurismus, den Erfolgsdruck, die Schadenfreude - und deshalb begeistert und beschämt. In seinen erschreckendsten Szenen hat dieser Film etwas Rührendes: Als Phoenix so schauderhaft rappt, dass er von der Bühne gepfiffen wird. Und in seinen rührendsten Szenen hat er etwas Erschreckendes: Als die roboterhafte Agentin zum ersten Mal Gefühle zeigt, weil sie Phoenix' Erfolg ernsthaft in Gefahr sieht.
"I'm Still Here"
Regie: Casey Affleck.
Start: 11.8.
Von Keller, Maren

KulturSPIEGEL 8/2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.

Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizenzieren.