26.09.2011

Mamis Liebling

Mit „I'm Not a F**cking Princess“ verfilmt Eva Ionesco ihre Kindheit als Nacktmodell ihrer verkorksten Künstlermutter.
M it zwölf Jahren war Eva Ionesco schon lange kein Kind wie andere mehr. Als Lieblingsmodell ihrer Mutter Irina, einer Fotografin, war sie in erotischen Posen zum Star der Pariser Kunstszene geworden. Der italienische "Playboy" druckte Nacktfotos, da war sie elf. 1977 landete sie auf einem umstrittenen SPIEGEL-Titelbild, zu einem Artikel über die Ausbeutung von Kindern in der Sexindustrie. Der Film "Spielen wir Liebe", in dem sie als Elfjährige bei einer Sexszene zu sehen war, ist in Deutschland heute in der ursprünglichen Fassung verboten.
Eva Ionesco hatte keine Kindheit, aber aus dem, was eine hätte sein sollen, hat die heute 46-Jährige nun eine filmische Abrechnung mit ihrer Mutter gemacht. Die Namen hat sie verändert, aber sonst ist die Geschichte von "I'm Not a F(**)cking Princess" ihre eigene. Isabelle Huppert verkörpert die Mutter mit manischer Intensität als labiles Monster, das die Tochter (Anamaria Vartolomei) zwar liebt, aber bei weitem nicht so sehr wie sich selbst. Zwischen hysterischen Anfällen, künstlerischen Höhenflügen und wüsten Beschimpfungen geht es ihr nur um den eigenen Erfolg. Wie ihr Kind stückchenweise zerbricht, nimmt sie gar nicht wahr. Jetzt schlägt das Kind zurück, mit einem wütenden, rauen Film von ungeheurer Kraft.
I'm Not a F(**)cking Princess
Start: 27.10.
Von Sander, Daniel

KulturSPIEGEL 10/2011
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