Alle zwei Jahre gibt die Deutsche Streicherphilharmonie ein Konzert in der Frankfurter Alten Oper (25.11.). Dieses Orchester besteht nur aus Kindern und Jugendlichen, und die haben die Chance, mit einem professionellen Dirigenten auf der Bühne zu stehen. In diesem Jahr ist es Michael Sanderling, und ich finde es toll, dass ein Mann dieses Kalibers mit Jugendlichen Musik macht. Dieses Konzert ist für alle ein ganz besonderes Erlebnis. Ich spiele an dem Abend zwar die Solo-Geige, doch dieses Mal geht es nicht um mich, sondern um die vielen jungen Musiker. Die Kinder sind nervös, aber auch stolz darauf, dass sie in dem feierlichen alten Saal auftreten dürfen. Manche von ihnen werden vielleicht mal Profi-Musiker, andere machen eine Karriere als Anwalt oder Arzt und sind dann das Publikum, das die Klassik braucht.
Ich kenne den Autor Dirk von Gehlen und seine Ansichten, deshalb möchte ich sein neues Sachbuch "Mashup - Lob der Kopie" (Suhrkamp) sehr gern lesen. Ich bin überhaupt nicht der Typ, der unbedingt das neueste iPhone oder iPad haben muss, aber ich denke, wir alle müssen uns noch mehr mit der digitalen Welt und dem Internet auseinandersetzen. Warum? Urheberrechte, Raubkopien - das sind auch für klassische Künstler entscheidende Themen. Auch unsere Aufnahmen werden illegal kopiert, und wir alle wissen nicht, wohin uns diese Entwicklung führen wird. Schon deshalb muss man sich mit ihr auseinandersetzen.
Ich habe eine gewisse Schwäche für Russland. Dort habe ich meine erste CD aufgenommen, die Sprache ein wenig gelernt, seitdem interessiere ich mich für das Land und verfolge, wie dort Demokratie verstanden und gelebt wird und welche Rolle Menschenrechte spielen. Deshalb möchte ich mir im Kino Der Fall Chodorkowski ansehen (s. Seite 58), eine Dokumentation über Auf- und Abstieg des wegen Unterschlagung verurteilten ehemaligen Öl-Managers. Ich habe seine Geschichte in der westlichen Presse verfolgt und fand den Fall erschreckend, nun interessiert mich, wie der deutsche Filmemacher Cyril Tuschi das Geschehen darstellt (ab 17.11.).
Daniel Müller-Schott spielt am 12.11. im Wiener Musikverein Haydns Cello-Konzert No. 1 in C-Dur. Er ist für mich der größte Cellist seiner Generation, und jedes Konzert von ihm ist ein Ereignis. Um ihn zu hören, würde ich sogar nach Wien fahren, obwohl ich sonst froh über jeden Abend bin, den ich mit meiner Familie in München verbringen kann. Aber an dem Tag gebe ich selbst ein Konzert, in Moskau. AUFGEZEICHNET
VON MARIANNE WELLERSHOFF
Fischer,28, ist Geigerin und Pianistin und lehrt an der Universität München. Zuletzt erschien ihre CD "Poème" (Decca).
KulturSPIEGEL 11/2011
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