23.12.2011

Volle Fahrt

Mit dem brillanten Thriller „Drive“ ist der dänische Kult-Regisseur Nicolas Winding Refn in Hollywood angekommen.
D er Mann hat keine Geschichte, keine Familie und keinen Namen, er sagt selten ein Wort und hat seinen Blick so trainiert, dass auch der nichts über ihn verrät. Auffällig ist nur der Skorpion, der auf der Rückseite seiner Jacke prangt. Als Warnung: Ich bin gefährlich. Und das ist er. Denn gefährliche Männer sind die Spezialität des dänisch-stämmigen Regisseurs Nicolas Winding Refn, seien es die Drogendealer aus seiner "Pusher"-Trilogie oder der mörderische Wikinger aus "Walhalla Rising". Der Mann aus "Drive" ist ein Stuntfahrer, der als Fluchtwagenfahrer bei Bankrauben aushilft und in eine grausame Verbre-chensspirale hineingezogen wird. Er versucht, Gewalt zu vermeiden, und doch wird auch er töten müssen. Oder sterben. Win-ding Refns frühere Filme waren ultrabrutale Gewalt- und Stilexzesse, er hat den Ruf eines europäischen Tarantinos, ein Underground-Held. "Drive" ist das, was in Winding Refns Welt dem Mainstream am nächsten kommt: ein blutiger Gewalt- und Stilexzess - nur in den USA und mit viel mehr Geld gedreht und einem Star (Ryan Gosling) in der Hauptrolle. Ein Film über den unseligen Versuch, einmal das Richtige zu tun. Ein spektakulärer Thriller, der seinem Helden immer noch etwas mehr Grauen zumutet. Dem Zuschauer auch. Tarantino kann das nicht besser.
Drive
Start: 26.1.
Von Sander, Daniel

KulturSPIEGEL 1/2012
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