27.02.2012

Gewaltbereite Tölpel

Wie hält man Männer von Glaubenskriegen ab? Mit Haschisch und Stripperinnen.
E s macht keinen Spaß, zu viel Freizeit der Grabpflege zu opfern, doch die Frauen eines Dorfes im Libanon haben keine Wahl: Wenn im Land der Konflikt zwischen Muslimen und Christen hochkocht, dann schlagen sich auch ihre Männer die Köpfe ein. Obwohl sie Freunde sind, obwohl der Imam und der Pastor zur Kooperation aufrufen, obwohl sie wissen, wie viele schon gestorben sind. Doch diesmal spielen die Frauen nicht mit. Schlichtungsversuche bringen nichts. Ablenkung muss her. Weshalb bald eine Truppe osteuropäischer Stripperinnen durch das Dorf stakst. Und Backrezepte mit Haschisch verfeinert werden.
Das Männerbild in "Wer weiß, wohin?", dem zweiten Film der libanesischen Regisseurin Nadine Labaki ("Caramel"), ist kein schmeichelhaftes: gewaltbereite Tölpel, die lammfromm werden, wenn man ihnen halbnackte Blondinen vor die Nase setzt. Aber das meint der Film nicht böse. Dies ist ein lebensfrohes Märchen, das einen Ausweg aus den Glaubenskriegen erträumt. Und Regisseurin Labaki, die auch eine der Hauptrollen spielt, versteht es, ihr Publikum um den Finger zu wickeln: "Wer weiß, wohin?" ist ein bunter Film voller Energie und Witz, der nicht vor Musical-Einlagen zurückschreckt, wenn sie passen. Doch auch Momente abrupter Gewalt und tiefer Trauer werden nicht ausgespart. Eine Kinowundertüte, die einen wieder an Wunder glauben lassen will.
Wer weiß, wohin?
Start: 22.3.
Von Sander, Daniel

KulturSPIEGEL 3/2012
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