27.02.2012

Neue Filme im März

AB 1.3.
Das gibt Ärger. Regie: McG. Mit Reese Witherspoon, Tom Hardy, Chris Pine.
Zwei befreundete CIA-Agenten verlieben sich in dieselbe Frau und überbieten sich mit elaborierten Verführungsversuchen, statt sich auf die Jagd nach einem bösen Deutschen zu konzentrieren. Nette Mischung aus Krach-Action und Humor mit gut aufgelegten Schauspielern.
The Devil Inside. Regie: William Brent Bell. Mit Fernanda Andrade.
Dieser geschwätzige Low-Budget-Exorzismus-Grusel im Pseudo-Doku-Look schoss mit Sensations-Einspielergebnis an die Spitze der US-Kinocharts und stürzte dann rasant wieder ab. Kein Wunder, denn schockierend ist hier nur die Einfallslosigkeit.
Die Eiserne Lady. Regie: Phyllida Lloyd. Mit Meryl Streep, Jim Broadbent.
Eine zunehmend demente Margaret Thatcher blickt auf ihren Werdegang von der politikbegeisterten Krämerstochter zur bewunderten wie verteufelten Premierministerin Großbritanniens zurück, mit einer ziemlich verklärten Perspektive auf ihre Errungenschaften. Die muss man nicht teilen, um sich für Streeps beängstigend perfekten Auftritt in der Hauptrolle zu begeistern.
John Irving - Wie er die Welt sieht. Regie: André Schäfer.
Film-Denkmal zum 70. Geburtstag von US-Autor John Irving, den Regisseur Schäfer auf Lesetour begleitet und zu Hause in Vermont besucht hat. Zudem kommen Menschen zu Wort, die als Vorlagen für Roman-Charaktere gedient haben. Für Irving-Jünger ein Fest. Aber auch nur für die.
Shame. Regie: Steve McQueen. Mit Michael Fassbender, Carey Mulligan.
Ein erfolgreicher New Yorker versucht sich mit manischem Sexualverhalten von seiner leeren Existenz abzulenken. An Intensität kaum zu überbietender filmischer Fiebertraum, der einen schwer wieder loslässt. Einer der besten Filme der jüngeren Zeit (→ S. 10).
AB 8.3.
Barbara. Regie: Christian Petzold. Mit Nina Hoss, Ronald Zehrfeld, Jasna Fritzi Bauer.
Die Geschichte einer in die ostdeutsche Provinz strafversetzten Kinderärztin, die 1980 die Flucht aus der DDR plant und gleichzeitig Gefühle für einen Mann entwickelt, der ihr alles zerstören könnte. Phantastisch gespieltes, ungewöhnlich zärtliches Psychodrama um Liebe in einer Welt der Angst.
Kairo 678. Regie: Mohamed Diab. Mit Nahed El Sebaï.
Drei Frauen aus verschiedenen sozialen Klassen wehren sich gegen sexuelle Nötigung und ägyptische Machokultur und schlagen gegen Bus-Fummler und Schänder zurück. Eindringliches und souverän gespieltes Regiedebüt mit der richtigen Portion Melodramatik.
Haywire. Regie: Steven Soderbergh. Mit Gina Carano, Ewan McGregor.
Obercoole Freelance-Agentin (Ex-Kampfsportprofi Carano) geht nach missglückter Mission auf Rachefeldzug gegen ihre Verräter. Gradlinige Kurzweil-Action mit elegant choreografiertem Haudrauf.
John Carter - Zwischen zwei Welten. Regie: Andrew Stanton. Mit Taylor Kitsch, Lynn Collins.
Ehemaliger Südstaaten-Offizier gerät mittels magischer Halskette auf den Mars, trifft auf lustige Aliens und muss Menschenprinzessin Dejah helfen, einen Tyrannen zu besiegen. Trotz der legendären Buchvorlage von Edward Burroughs und tollen 3-D-Landschaften wirkt dieses Sci-Fi-Werk etwas zu blutarm, um richtig mitzureißen.
Versicherungsvertreter. Regie: Klaus Stern.
Doku über den schamlosen Selbstdarsteller Mehmet Göker, der mit Chuzpe und Rücksichtslosigkeit zu Deutschlands zweitgrößtem Vermittler privater Krankenversicherungen aufstieg und mit Millionenschulden pleiteging. Turbulentes, unterhaltsames Kapitalismus-Lehrstück.
Die vierte Macht. Regie: Dennis Gansel. Mit Moritz Bleibtreu.
Midlife-kriselnder Berliner Boulevard-Reporter versucht in Moskau den Neuanfang bei einem Lifestyle-Magazin und landet wegen regimekritischer Neugier bald als Terrorverdächtiger im Folterknast. Unglaubwürdiger Polit-Thriller, dessen spannendste Momente die unfreiwillig komischen sind.
Schilf. Regie: Claudia Lehmann. Mit Mark Waschke, Stipe Erceg, Bernadette Heerwagen.
Ein Parallelwelten-Theoretiker verliert den Boden unter den Füßen, als sein Sohn aus dem parkenden Auto entführt wird. Der wissenschaftliche Hintergrund des spekulativen Psycho-Thrillers nach dem Bestseller von Juli Zeh wurde angeblich von Physikkapazitäten abgeklopft, dramaturgische Taschenspielertricks verprellen aber mitkombinierende Krimi-Rationalisten.
AB 15.3.
Best Exotic Marigold Hotel. Regie: John Madden. Mit Judi Dench, Tom Wilkinson.
Sieben betagte Engländer reisen nach Indien, wo sie sich in einem verstaubten Hotel von der Hektik, den Farben und der Freundlichkeit des Landes nach und nach überwältigen lassen. Was auch jenen Zuschauern passieren dürfte, die sich von ein paar Klischees nicht die Laune verderben lassen.
Contraband. Regie: Baltasar Kormákur. Mit Mark Wahlberg, Kate Beckinsale.
Um seinen Schwager zu retten, wird ein ehrbar gewordener Schmuggel-Meister zu einem letzten Coup auf einem Containerschiff genötigt. Mit Hollywood-Krawall und überzeichneten Charakteren aufgepumptes, trotzdem ansehnliches Remake des isländischen Arbeiterklasse-Thrillers "Reykjavik - Rotterdam".
Headhunters. Regie: Morten Tyldum. Mit Aksel Hennie, Synnøve Macody Lund.
Zwecks Schuldentilgung beklaut ein Headhunter einen Klienten, der sich aber als ziemlich dämonischer Widersacher erweist. Einwandfreie Verfilmung des Jo-Nesbø-Romans mit allem, was man von einem skandinavischen Thriller erwarten kann: schroffe Landschaft, kranke Kriminelle und viel, viel Blut.
Türkisch für Anfänger. Regie: Bora Dagtekin. Mit Josefine Preuß, Elyas M'Barek.
Der Film zur wunderbaren ARD-Vorabendserie über die holprige Verschmelzung einer deutschen und einer türkischen Familie tut so, als hätte es die Vorlage nie gegeben und lässt die beiden Sippen erst nach einem Flugzeugabsturz aufeinander los, der die Kernbesetzung auf eine einsame Insel verbannt. Verschwunden ist dabei auch weitgehend der pointensichere Witz der TV-Version.
Viva Riva! Regie: Djo tunda wa Munga. Mit Patsha Bay, Manie Malone.
Der Hasardeur Riva will mit geklautem Benzin in Kinshasa reich werden, auf seinen Fersen rücksichtslose Kriminelle, in seinen Armen ein feuriges Gangster-Liebchen. Diese Macker-Saga mit dem rüden Ghetto-Flair von Blaxploitation-Filmen der Siebziger präsentiert die bekannten Milieuzutaten Zynismus, sadistische Gewalt und knackigen Sex noch so frisch wie gerade erst ausgepackt.
Das Turiner Pferd. Regie: Béla Tarr. Mit János Derzsi, Erika Bók.
Existentialistische Parabel über einen Bauern, seine Tochter und ein Pferd, die in der ungarischen Puszta versuchen, einem Sturm zu trotzen. Freunde von sehr ruhigen und sehr langen Einstellungen in Schwarzweiß können sich auf ein anstrengendes, aber lohnenswertes Filmexperiment in gewohnt reduzierter Tarr-Ästhetik freuen.
AB 22.3.
Ruhm. Regie: Isabel Kleefeld. Mit Stefan Kurt, Heino Ferch, Senta Berger.
Daniel Kehlmanns Kurzgeschichten-Roman über die realen und fiktiven Welten eines schreibblockierten Schriftstellers ist zwar ein bisschen angestrengt geraten, steckt aber immerhin voller Ambition. In der öden Verfilmung fehlt selbst davon jede Spur.
Take Shelter. Regie: Jeff Nichols. Mit Michael Shannon, Jessica Chastain.
Getrieben von apokalyptischen Visionen, baut ein Familienvater aus Ohio mit zunehmender Besessenheit einen Bunker in seinen Garten, was erst sein Umfeld und langsam auch ihn selbst an seinem Verstand zweifeln lässt. Doch ein Sturm wird kommen. Vor Spannung brodelnder Festival-Hit über einen Mann am Abgrund, an dem vielleicht doch die ganze Welt steht.

KulturSPIEGEL 3/2012
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