30.04.2012

Textiles Werken

Alexandra Bircken war lange Modedesignerin. In ihren Skulpturen zeigt sie heute die soziale Bedeutung von Stricken und Weben.
S ie hatte die Nase voll vom Modebetrieb, nach 15 Jahren in Paris und London. In ihrem Kölner Laden, in dem sie ihre eigenwilligen Entwürfe verkaufte, "lief nichts", und deshalb kam das Angebot der BQ-Galeristen Yvonne Quimbach und Jörn Bötnagel für eine Ausstellung genau zu richtigen Zeit. "Ich kann machen, was ich will, haben sie gesagt", erzählt Alexandra Bircken, 45. Sie begann einen Neustart als Künstlerin, beschäftigte sich mit der sinnlich-ästhetischen Textur von Stoffen und Wolle, mit Codes und Klischees von Mode und Mustern, mit Konsum und der sozialen Bedeutung von Stricken und Weben. Und mit diesem Wissen baute sie aus Stoffen, Wolle, Kleidung, mit Fäden und Haaren, Ästen und Blättern sowie mit künstlichem Material unverwechselbare Objekte und Installationen, die neu in der Bildhauerei waren. Das war 2004. "Alles wurde verkauft", sagt Bircken "vielleicht wegen der niedrigen Preise." Die gibt es nicht mehr, inzwischen stellt Bircken in internationalen Institutionen aus und ist in wichtigen Sammlungen vertreten. Ihre Skulpturen sind formal strenger geworden, weniger Wolle, mehr Holz und Mörtel, oft in Rahmen und auf Rollen, sie sind abstrakter, mal bissig, oft komisch. Birckens Modekarriere ist längst vorbei, ihre Vergangenheit aber lässt sie nicht vollends los: Sie ist festgehalten auf dem berühmten Bild "Lutz & Alex sitting in the trees", das Wolfgang Tillmans 1992 in London fotografierte.
Hausrat. Alexandra Bircken. Hamburg. Kunstverein. 12.5.- 2.9., www.kunstverein.de; außerdem bei "Made in Germany Zwei".
Von Ingeborg Wiensowski

KulturSPIEGEL 5/2012
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