Wenn sich mit Krystian Zimerman und dem Hagen Quartett der bedeutendste Pianist und das beste Streichquartett unserer Zeit zusammentun, dann ist das ein außergewöhnliches Ereignis. Im Juni spielen sie in Dortmund, Köln und Berlin das "Quintett für Klavier" von Robert Schumann, und ausgerechnet dann bin ich selbst unterwegs. Ich besitze alle Aufnahmen von Zimerman. Seine Musikalität, seine Ausgewogenheit, seine Fähigkeit, Stücke auf den Punkt zu bringen, machen ihn zum perfekten Pianisten. Es war immer ein großer Traum, gemeinsam mit ihm ein Konzert zu spielen, und vielleicht wird das mal etwas. Das hätte auch den Gag, dass wir fast den gleichen Nachnamen haben.
Das Paul-Hindemith -Jahr ist erst 2013, aber in Zürich wird jetzt sein Drama "Mathis der Maler" gezeigt. Ich bin im Moment sehr mit Hindemith beschäftigt und habe soeben das Violinkonzert, Violinsonaten und eine Solosonate von ihm aufgenommen, und ich finde, Hindemith wird viel zu wenig gespielt. Nicht alles ist großartig, aber er hat einige außergewöhnliche Werke geschaffen. "Mathis der Maler" gehört dazu. Komponiert wurde die Oper Mitte der dreißiger Jahre, als Hindemith von den Nazis "als atonaler Geräuschemacher" verfolgt wurde. Die Oper hat autobiografische Züge, denn sie beschreibt einen Maler, der sich immer mehr in seiner Kunst vergräbt. Ich habe "Mathis der Maler" leider nie live gesehen. Die Zürcher Inszenierung mit Thomas Hampson in der Titelrolle (→ S. 33) wird sicher toll; das Orchester ist in großartiger Verfassung.
Zurzeit habe ich eine Alberto- Moravia- Phase. Seine Sprache begeistert mich und auch, wie er das Thema Gleichgültigkeit in seinen Werken variiert. Schade, dass Moravias Bücher in den Läden nicht mehr im Sortiment sind, und man sie immer erst bestellen muss. Ich las "Die Langeweile" kürzlich in einem japanischen Restaurant in New York, und als eine Gruppe von Italienern mich dabei entdeckte, kamen sie gleich an und unterhielten sich begeistert mit mir über den Schriftsteller und diesen Klassiker des 20. Jahrhunderts.
Für einen Kinobesuch habe ich selten Zeit, ich schaue meistens DVDs. Neulich habe ich "Lost Highway" von David Lynch gesehen, da fehlen auch beim erneuten Ansehen einfach die Worte. Ich habe ein iPad und lade mir auf Reisen lieber Filme herunter, als einen schweren Koffer voller DVDs zu schleppen. Leider findet man die wirklich guten Filme nur in US-Online-Videotheken. Das macht den Download zu kompliziert.
AUFGEZEICHNET VON MARIANNE WELLERSHOFF
Zimmermann,47, ist Geiger und lebt bei Köln. Vom 8. bis 10. Juni spielt er mit den Berliner Philharmonikern das Violinkonzert Nr. 2 von Bohuslav Martinú. Leitung: Mariss Jansons.
KulturSPIEGEL 6/2012
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