25.06.2012

Nachts am Denkmal

Von Wiensowski, Ingeborg

Mit bunten Umhängen verkleidet Yorgos Sapountzis in seinen Performances Statuen.

N ight Life" heißt ein frühes Performance-Video von Yorgos Sapountzis, 36, in dem er nachts zaghaft gegen den Vorderreifen eines parkenden Autos tritt, bis die Alarmanlage losgeht. Dann sieht man Sapountzis im Takt des nervigen Sounds tanzen. Um Rebellion geht es hier nicht, nur um die Befreiung von Verordnungen und eine andere Nutzung des öffentlichen Raums, "den wir alle teilen, aber nicht bestimmen", sagt Sapountzis. Auch heute finden die Performances des Griechen und Wahlberliners im öffentlichen Raum und nachts statt, aber jetzt stehen Denkmäler und Statuen im Zentrum seiner Arbeit. Deren historische Bedeutung ignoriert er bewusst, denn er will nicht, dass seine Arbeit "den Wegen von Wissen und Vernunft folgt". Oder der Logik. So nähert sich Sapountzis den Skulpturen entweder allein oder oft in einer Art Prozession zusammen mit einer Gruppe von Begleitern, die er mit Aluminiumstangen und farbigen Umhängen ausstattet. Dann beginnt eine theatralische Choreografie, in der Sapountzis die steinernen Körper mit farbigen Tüchern bekleidet, sie umwickelt, Gipsabdrücke von Gesichtern oder Gliedmaßen anfertigt und das Monument mit einer instabilen Konstruktion aus leichten Alu-Stangen, Stoffen, Klebeband und Zeitungspapier umbaut, die bald zusammenbricht. Die Vergeblichkeit seines Tuns erinnere ihn an griechische Tragödien, sagt er. In seinem Fall mit Happy End, denn Sapountzis' flüchtige Installationen werden in Ausstellungen wieder aufgebaut und mit dem Performance-Video gezeigt.

Yorgos Sapountzis.

Münster. Westfälischer Kunstverein. Bis 2.9., www. westfaelischer-kunstverein.de


KulturSPIEGEL 7/2012
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