23.06.1997

Howard Stern

In den USA lieben ihn die Massen für seine fiesen Shows. Jetzt kommt der Film über das Leben des Star-Moderators bei uns ins Kino.
Als bei einem Flugzeugabsturz in Washington ein Großteil der Fluggäste starb - ein Jet der Air Florida war kurz nach dem Start abgestürzt und in eine Brücke gekracht -, rief Radiomoderator Howard Stern während seiner Live-Sendung bei der Fluggesellschaft an: "Was kostet ein One-way-Ticket vom Flughafen bis zur 14th-Street-Brücke? Werdet ihr in Zukunft immer dort halten?"
So was gehört noch zu seinen harmloseren Scherzen. Fünf Tage in der Woche plaudert Stern, 43, bis zu fünf Stunden lang im Radio über seine abstrusen Masturbationsphantasien, seinen zu kleinen Penis und die Freuden, die seiner Ehefrau ein Vibrator beim ehelichen Sex bereitet. Außerdem beleidigt er Neger, Schwule, Politiker und Prominente. Stern kennt keine Gnade. Er schießt auf alles und jeden, immer zwischen die Augen - oder zwischen die Beine. Seine Fans lieben ihn dafür, er gilt ihnen als Streiter für das Recht auf freie Rede, als die "wütende Stimme der Suburbs".
"Howard Stern ist ein Rassist, ein Sexist, ein homophobes verficktes Schwein!" Roseanne, Ikone des sauberen amerikanischen Familienfernsehens, gehörte noch vor wenigen Jahren zu der Legion von Tugendwächtern, die den New Yorker Radiomoderator für so etwas wie eine Viruserkrankung der Medien hielt. Trotzdem war sie vor kurzem zu Gast in seiner Sendung.
An dem Erfolg des Moderators kommt einfach niemand vorbei. Seine Autobiographie "Private Parts" (Goldmann Verlag, München; 534 Seiten; 15 Mark) ist ein Bestseller in den USA, und die Verfilmung, in der Stern und seine Crew sich gekonnt selbst spielen, brachte dort am ersten Wochenende bereits 14,6 Millionen Dollar ein. Der Film (Deutschland-Start am 24.7.) erzählt, wie aus dem schusseligen Außenseiter, der keine Chance bei Mädchen hatte, von seinem Vater immer nur angebrüllt wurde und dem seine Mutter täglich rektal die Temperatur maß, der selbsternannte "King of all media" wurde - eine Beavis-und-Butt-head-Variante des amerikanischen Traums.
Allein Sterns morgendliche Radioshow erregt die Gemüter von 18 Millionen Zuhörern, und seine Fernsehshow im Pay-TV wird in 26 Millionen Haushalten empfangen. Die Methode des Moderators ist einfach, aber wirkungsvoll: "Immer wenn ich denke, darüber solltest du jetzt besser nicht reden, weiß ich, daß ich genau das tun muß, weil es das ist, was das Publikum hören will." Zu Sharon Stone etwa sagte Stern, der selbst aussieht wie der jüngere Bruder von Alice Cooper, sie werde enden "wie ein vertrocknetes Stück Scheiße in der Wüste".
Der Film erzählt auch von dem "Privatmann" Stern, der seiner Frau treu ist und seine Kinder umsorgt. Und zumindest den werden auch die Tugendwächter mögen. Obwohl der wahre Howard, sagt Stern, wohl der hinter dem Mikro ist.
Jörg Böckem
Von Jörg Böckem

KulturSPIEGEL 7/1997
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