30.07.2012

Kostümprobe

Von Wiensowski, Ingeborg

Ob Olympische Spiele noch heiter sein können, testet ein Künstlerduo in München.

D ass die Heiterkeit Olympischer Spiele auch eine Frage der Sicherheitsvorkehrungen ist, machte der Anschlag vom 5. September 1972 in München klar. In London wird das Bild daher nicht nur von Athleten, sondern auch von Uniformierten bestimmt.

Das Künstlerduo Dellbrügge & de Moll möchte mit der Arbeit "Reconstructing Future" nun untersuchen, wie die Idee der "heiteren Spiele" heute wirken würde. Denn für Olympia 1972 gab es ein grandioses Gestaltungskonzept, das München umkrempelte, von der Architektur über die Verkehrsführung, von psychologischen Verhaltensstrategien im Konfliktfall bis zum Farbkonzept des Gestalters Otl Aicher für die Kleidung der 15000 Mitarbeiter, Ordner und Polizisten. Die entwarf der Modedesigner André Courrèges - beispielsweise hellblaue Anzüge, weiße Ballonmützen und Stiefel für die Sicherheitskräfte.

Nun wird ab dem 26. August knapp drei Wochen lang ein Team von 40 Personen auf belebten Plätzen und Straßen in München auftauchen. Dellbrügge & de Moll haben sie zusammen mit der Designerin Anna Sophie Howoldt mit vier verschiedenen Kostüm-Interpretationen von 1972 eingekleidet und mit ihnen kleine Choreografien nach Anweisungen von damals eingeübt, wie etwa "Leute ansprechen". "Eine Geschichtsrekonstruktion soll das nicht sein", sagt Christiane Dellbrügge, aber es war "gesellschaftliche Wirklichkeit" und ein "historischer Moment, an dem alles möglich zu sein schien". Alles, bis auf den Ernstfall Nr. 21, den Anschlag auf das israelische Olympia-Team.

"Reconstructing

Future". München. 26.8.-11.9. (nicht am 5.9.), www.reconstructing future.de


KulturSPIEGEL 8/2012
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