30.07.2012

Geistreich

Von Keller, Maren

Die Schriftstellerin Marie Pohl hat eine Reise zu Dämonen, Hexern und Spukhäusern gewagt.

S o wie man klettern können muss, wenn man auf die Achttausender dieser Welt gelangen will, muss man an Magie glauben können, wenn man zu den übernatürlichen Wundern dieser Welt reisen will. Marie Pohl erträumt sich jeden Tag um 11.11 Uhr einen Wunsch, sie glaubt an die große Liebe, und als sie in Hamburg ankommt, hat sie ein Zeichen darin gesehen, dass der Zug genauso hielt, dass sie an ihrem reservierten Platz einsteigen konnte. "Geisterreise" heißt das Buch, das Marie Pohl um die ganze Welt geführt hat. Auf Kuba hat sie eine Ziege für das Opferritual einer Santería-Priesterin gekauft. In Irland hat sie ein Haus gehütet, in dem es spuken soll. Und in New York hat sie Geisterjäger begleitet.

Es ist schon das zweite Mal, dass Pohl für ein Buch um die Welt reist, mit Anfang zwanzig besuchte sie für "Maries Reise" Menschen ihrer Generation. Nun also sucht sie Antworten im Übermenschlichen. Für solch eine Reise ist Pohl mindestens so prädestiniert wie die Bergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner für eine Reise zu den Achttausendern. Und zwar wegen der Haltung, mit der sie auf Reisen geht: Mit der gleichen radikalen Offenheit, mit der sie über sich selbst schreibt, lässt sie sich auf jede neue Erfahrung ein. "Neugierde, Offenheit und Naivität sind meine drei Lebenseinstellungen", sagt Pohl. Auf Kuba hat sie deshalb von einem Liebhaber den Kosenamen la curiosidad bekommen. Die Neugier.

Marie Pohl: "Geisterreise".S. Fischer; 336 Seiten; 19,99 Euro. Hörbuch bei Random House.


KulturSPIEGEL 8/2012
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