27.08.2012

Die Kunst des Qualms

Von Wiensowski, Ingeborg

Eine Glaskabine für Raucher stellt Daniel Knorr mitten im Museum auf. Er will damit die Macht des Staates kritisieren.

D aniel Knorr, 43, Künstler mit Wahlheimat Berlin, wird sich viele Feinde machen in Bremen. Er ist vorgeschlagen für den Kunstpreis der Böttcherstraße und führt mit seiner Installation das Rauchen im Museum ein. Wie das gehen soll? "Ganz einfach", sagt Knorr, "mitten in einem Sammlungssaal wird eine Raucherkabine aus Glas aufgestellt, zu der ein Schilderleitsystem den Weg weist." Und darin können die Besucher dann rauchen, während andere Besucher sie dabei beobachten. Ganz wie im Flughafen. Aber weil es sich hier um Kunst handelt, hat Rauchen im Museum natürlich Bedeutung. Es sei die "Materialisierung einer aktuellen Biopolitik", sagt Knorr. Und das heißt: Trennung von Rauchern und Nichtrauchern, Stigmatisierung, Kontrolle, Entmündigung statt Selbstbestimmung. "Das Ziel der Arbeit ist es, die Beziehung zwischen dem Staat und seinen Bürgern offenzulegen", sagt Knorr. Indem er etwa das Rauchen in einer Kunsthalle als kulturell definiere, weil ein Museum "als höchste Repräsentation eines Staates" gilt, "man denke nur an die Länderpavillons in Venedig". Knorr hat sich natürlich mit dem Rauchen beschäftigt. "Im Nationalsozialismus durften deutsche Frauen nicht rauchen, das war ,rassedegenerierend'", sagt Knorr. Und er weiß viel über den früher blühenden Tabakhandel in Bremen oder das noch aktive Bremer Tabak-Collegium männlicher Wirtschaftsbosse. Eine Chance, dort eingeladen zu werden, hat Knorr aber nicht: Er ist Nichtraucher.

Kunstpreis der Böttcherstraße. Smoking in the Museum.

Bremen. 16.9.- 16.12., www.kunst

halle-bremen.de


KulturSPIEGEL 9/2012
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