DER SPIEGEL



Premieren im September

BERLIN

Don Juan.Premiere 15.9. in der Volksbühne. Auch 16. u. 22.9., Tel. 030/24 06 57 77.

Wie macht der Mann das bloß? Das fragt man sich beim Regisseur René Pollesch, der seine Molière-Bearbeitung nur neun Tage nach seiner Premiere in Hamburg rausbringt (s. dort), aber auch bei Martin Wuttke, der nun drei große Molière-Rollen an der Volksbühne spielt.

Demokratie.Premiere am 21.9. im Deutschen Theater. Auch am 22., 25. und 28.9., Tel. 030/28 44 12 25.

Offenbar musste erst ein Brite kommen, um das dramatische Potential in der Guillaume-Affäre zu erkennen. Tom Kühnel und Jürgen Kuttner inszenieren das Stück von Michael Frayn; Felix Goeser spielt das Spionageopfer Willy Brandt.

Muttersprache Mameloschn. Uraufführung am 9.9. in der Box des Deutschen Theaters. Auch am 10. 11., 22. und 25.9., Tel. 030/28 44 12 25.

Drei Frauen aus drei Generationen porträtiert die junge, preisgekrönte Autorin Marianna Salzmann in ihrem neuen Stück, das Brit Bartkowiak inszeniert.

BREMEN

Das Leben auf der Praça Roosevelt.Premiere am 29.9. im Theater am Goetheplatz, Tel. 0421/365 33 40.

Mit einem Tanzschwerpunkt von Gintersdorfer/Klaßen eröffnet der neue Bremer Intendant Michael Börgerding Mitte September, das Schauspiel folgt danach: Alize Zandwijk inszeniert Dea Lohers präzise beobachtete Porträts über Menschen und ihre Schicksale in São Paulo.

DRESDEN

Titus Andronicus.Dresdner Premiere am 28.9. im Kleinen Haus 1 des Staatsschauspiels. Auch am 29.9., Tel. 0351/491 35 55.

Der polnische Starregisseur Jan Klata inszeniert Shakespeares gotisch-römisches Kriegsdrama mit einem polnisch-deutschen Ensemble.

HAMBURG

Platonow.Premiere 1.9. im Thalia Theater. Auch 2., 4. und 19.9., Tel. 040/32 81 44 44.

Das Thalia Theater feiert seinen 100. Geburtstag mit Tschechows mehr als 130 Jahre altem Frühwerk. Jan Bosse inszeniert, den seines Lebens irgendwie überdrüssigen Frauenhelden spielt Jens Harzer.

Der zerbrochene Krug.Premiere am 22.9. im Thalia Theater. Auch am 23. und 28.9., Tel. 040/32 81 44 44.

Der junge Regisseur Bastian Kraft wagt den Sprung auf die große Bühne. Den Dorfrichter Adam, der an nichts so wenig interessiert ist wie an der Wahrheit, ist Philipp Hochmair.

Neues vom Dauerzustand.Uraufführung am 6.9. im Schauspielhaus. Auch am 15. und 23.9., Tel. 040/24 87 13.

René Pollesch bedauert weiter die Tatsache, dass die meisten Menschen irgendwann aufhören, ihr Leben der Liebe unterzuordnen. Manche nennen das Erwachsenwerden. Mit Sophie Rois.

Ein Pfund Fleisch.Uraufführung am 14.9. im Schauspielhaus. Auch am 22. und 27.9., Tel. 040/24 87 13.

Wie Pollesch hat auch Albert Ostermaier ein Stück speziell für das "Spielfeld" geschrieben, die Behelfsbühne im Zuschauerraum für die Zeit der Bühnenrenovierung im Schauspielhaus. Sein Drama ist eine Überschreibung von Shakespeares "Kaufmann von Venedig". Dominique Schnizer führt Regie, den modernen Shylock spielt Dominique Horwitz.

Assassinate Assange.Uraufführung am 27.9. auf Kampnagel. Auch 28.-30.9., Tel. 040/27 09 49 49.

Angela Richter hat für die Recherchen zu diesem Stück ein Dinner mit dem WikiLeaks-Erfinder Julian Assange ersteigert - und danach im SPIEGEL darüber geschrieben (Nr. 28/2011). Was wirklich passiert ist in Schweden, wollte sie damals gar nicht so genau wissen. Mal schauen, wie sie die aktuellen Entwicklungen in ihr Stück einbaut.

HANNOVER

Tod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in mir.Uraufführung am 15.9. im Schauspielhaus. Auch am 16., 23. und 30.9., Tel. 0511/ 99 99 11 11.

Nis-Momme Stockmann weiß, was Theater wünschen: Sein neues Stück handelt von der Finanzkrise und einem Banker, der das ganze System sprengt.

MANNHEIM

Heiden.Deutschsprachige Erstaufführung am 27.9. im Schauspielhaus. Auch am 30.9., Tel. 0621/168 01 50.

Um den Versuch einer Bekehrung geht es in Anna Jablonskajas letztem Stück. Die junge ukrainische Dramatikerin war eines der Opfer beim Bombenanschlag auf den Moskauer Flughafen 2011.

ZÜRICH

Baumeister Solness.Premiere am 13.9. im Schauspielhaus (Pfauen). Auch am 15., 16., 19.-21., 23.-25. und 28.9., Tel. 0041/ 44/258 77 77.

Klassische Eröffnung im Schauspielhaus: Barbara Frey inszeniert Henrik Ibsens Stück um einen Mann, dem man heute vermutlich schlicht eine Midlife-Crisis bescheinigen würde. Robert Hunger-Bühler spielt ihn.

Genesis. Die Bibel, Teil 1.Premiere am 14.9. im Schiffbau. Auch 16., 18., 21., 23., 24. und 26.-28.9., Tel. 0041/44/258 77 77.

Wagemut ist keine Todsünde: Stefan Bachmann inszeniert das Erste Buch Mose, den Text, der in allen drei großen Weltreligionen eine Rolle spielt.

FESTIVALS

Theaterfestival Basel.29.8.-9.9., www. theaterfestival.ch

Ein internationales, ambitioniertes Programm ohne Genrebeschränkungen. Gob Squads so lustige wie ernüchternde Performance "Before your very eyes" ist dabei ("mit echten Kindern!") und der polnische Theaterstar Jan Klata mit seinem Stück "über Mutter und Vaterland".

Berlin: Foreign Affairs.28.9.-26.10., Tel. 030/25 48 91 00, www.berlinerfestspiele.de

Aus der "Spielzeit Europa" werden "Foreign Affairs": Der neue Chef der Berliner Festspiele, Thomas Oberender, hat das jährliche Theaterfestival im Herbst vielleicht nicht neu erfunden, aber doch ganz schön umgekrempelt. Mehr Produktionen in kürzerer Zeit sollen für mehr Aufmerksamkeit sorgen. Zum Auftakt präsentiert der Argentinier Federico León sein Gruppenexperiment "Las Multitudes".

Düsseldorf Festival.12.9.-3.10., Tel. 0211/82 82 66 22, www.duesseldorf festival.de

Ein buntes Programm vom "Wortkabarett" über Jazz und Choräle bis zum Zirkus - das Festival ist aus dem "Altstadtherbst Kulturfestival" hervorgegangen. Mittendrin im Theaterzelt auf dem Burgplatz der großartige Choreograf Sidi Larbi Cherkaoui mit seinem neuen, hochgelobten Stück "Puz/zle".

Graz: Steirischer Herbst.21.9.-14.10., Tel. 0043/316/81 60 70, www.steirischer herbst.at

"45% Tanz, 24% Theater, 31% Geschlechterkampf, 0% Kleidung" - so beschreiben die Festivalmacher die "Untitled Feminist Show" der Young Jean Lee's Theater Company aus New York. Auch die "Performative Installation" des Libanesen Rabih Mroué, der auch auf der Documenta vertreten ist, ist politisch gefärbt.

Hamburger Theaterfestival.28.9.-6.11., www.hamburger-theaterfestival.de

Politisches Theater ist hier nicht Programm, es sei denn, man versteht es als Signal an die Politik, dass dieses Festival mit seinen "Best of"-Produktionen aus den Jahren 2008 bis 2012 ohne öffentliche Förderung auskommt und sich durch Spenden, Sponsorengelder und (hohe) Eintrittspreise finanziert. Der spektakuläre Auftakt findet in der Elbphilharmonie statt, auch wenn die immer noch Baustelle ist: Das "Human Requiem" (Konzept: Jochen Sandig) ist eine Aufführung von Brahms' Requiem, bei der das Publikum mit dem Chor durch den Raum wandert.


KulturSPIEGEL 9/2012
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