26.11.2012

Der Musiker Chilly Gonzales plant seinen Dezember

Eigentlich schaue ich mir Filme lieber auf DVD an als im Kino, aber The Man with the Iron Fists (Start: 29.11.) möchte ich so schnell wie möglich sehen. Das ist das Regie-Debüt von RZA vom Wu-Tang Clan, ich bin ein riesiger Fan von ihm. Ich glaube, Rapper sind die perfekten Regisseure, denn sie sind es gewohnt, eigene Universen zu erschaffen. HipHopper können alles in HipHop verwandeln - Geschäft, Filme, Politik, alles. Und RZA war immer einer der Pioniere. Dass er jetzt einen Kung-Fu-Film gemacht hat, ist da ganz logisch, schließlich basierte die ganze Idee vom Wu-Tang Clan auf diesen Filmen. Großartig.

Noch ein Grund, ins Kino zu gehen, ist Killing Them Softly (siehe Seite 49) oder eher James Gandolfini, der darin mitspielt. Ich verehre ihn seit der Mafia-Serie "The Sopranos" und frage mich, ob er sich jemals von der Rolle als depressiver Mafia-Boss emanzipieren kann. Er hat das so lange gemacht, dass man ihn sich kaum als jemand anderen vorstellen kann. In "Killing Them Softly" muss man es auch nicht - er spielt einen labilen Profikiller.

In der Deutschen Oper in Berlin ist am 9. Dezember die Premiere einer neuen Fassung von Die Liebe zu den drei Orangen von Sergej Prokofjew, einem meiner Lieblingskomponisten. Seine Musik ist sehr dramatisch und expressiv, ohne übertrieben schön sein zu wollen. Und "Die Liebe zu den drei Orangen" ist ein tolles Stück, eine Art Hybrid aus Oper, Ballett und Konzertsuite. Nicht so viel Gesang, was mir entgegenkommt, denn mit Gesang kann ich nicht viel anfangen. Ich glaube nicht, dass Singen so große Emotionen erzeugen kann wie pure Instrumente. Und wenn es um das Transportieren von intellektuellen Ideen oder gesellschaftlichen Kommentaren geht, ist Rap die ideale Form. Deswegen höre ich auch fast nur klassische Musik und HipHop.

Ich lese viel, und meistens Sachbücher über Musik- oder Kulturgeschichte. Ich rate jedem, sich Der deutsche Genius von Peter Watson zu besorgen, der darin die ganze deutsche Kulturgeschichte von Bach bis Benedikt XVI. abhandelt. Unglaublich spannend und genau richtig für mich, nachdem ich im Juli nach zehn Jahren Paris wieder nach Deutschland gezogen bin. Für Belletristik interessiere ich mich erst seit kurzem etwas mehr. Ich freue mich sehr auf This Is How You Lose Her vom Pulitzer-Preisträger Junot Díaz. Das Buch gibt es noch nicht auf Deutsch, aber das Beste an Díaz ist ohnehin dieser spezielle Straßen-Slang aus der Dominikanischen Republik, und der ist kaum zu übersetzen.

AUFGEZEICHNET VON DANIEL SANDER

Gonzales,40, ist Musiker und für seine Klavierkonzerte berühmt. Gerade ist er mit dem neuen Album "Solo Piano II" auf Tour, u. a. in Berlin (26.-28.11) und Köln (29.12.).


KulturSPIEGEL 12/2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.

Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizenzieren.

KulturSPIEGEL 12/2012
Titelbild
Abo-Angebote

Sichern Sie sich weitere SPIEGEL-Titel im Abo zum Vorteilspreis!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

Der Musiker Chilly Gonzales plant seinen Dezember