26.11.2012

Die schönste Nebensache

Von Becker, Tobias

Schenken ist kommunizieren, das haben wir in der Kolumne oben gelernt. Aber wo kommuniziert wird, gibt es auch Kommunikationsstörungen: ein blödes Buch. Eine dumme DVD. Ein grausiger Gin. Ein Geschenk also, bei dem man nicht nachvollziehen will, was es mit einem zu tun haben könnte. Nun verlangt das Sprichwort: Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Ratsam aber ist das nicht. Wer ein Geschenk annimmt, nimmt nicht nur den Gegenstand an, sondern (im Auge des Schenkenden) auch die Identität, die ihm mit diesem Gegenstand zugeschrieben wird. Die Lösung: das Geschenk umtauschen. Das ist ein Akt der Autonomie - und daher das schönste Geschenk, das man sich machen kann. Es besiegt den Weihnachtsfluch des Soziologen und Ethnologen Marcel Mauss. 1923 schrieb der: "Geben heißt, seine Überlegenheit beweisen, zeigen, dass man mehr ist und höher steht." Umtauschen heißt, den Spieß umzudrehen.


KulturSPIEGEL 12/2012
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