26.11.2012

Kunst des Abtauchens

Von Wiensowski, Ingeborg

Von Rotterdam zum Schwarzen Meer will die Künstlerin Klara Hobza tauchen.

D ie Vorbereitungen der Künstlerin Klara Hobza sahen so aus: Tauchen lernen in Berlin, Tauchprüfung in der Ostsee, Training in der Türkei mit dem pensionierten Kampf- und Weltrekordtaucher Namik Ekin, der bisher als Einziger an ihr Projekt glaubte. Es heißt: "Europa durchtauchen". Denn Hobza, 37, will in Etappen durch Rhein, Main und Donau vom Rotterdamer Hafen bis zum Schwarzen Meer tauchen. Dafür hat sie 20 bis 30 Jahre ihres Lebens eingeplant.

Ein größenwahnsinniges Vorhaben und gleichzeitig eine radikale Idee, die nur mit großer psychischer und physischer Kraft und Besessenheit umgesetzt werden kann. "Ich finde es wichtig zu wissen, dass ich das tatsächlich ausführe", sagt Hobza, "nur dann spricht es intensive Emotionen und Vorstellungen von Leuten an." Hobza ist auch wichtig, dass für sie unvorstellbare, krasse Situationen entstehen, die dann das Material für ihre Kunst werden. Künstlerisch generierte Erkenntnisse - wie sie Hobza jetzt schon in einer Ausstellung zeigt. Zu sehen sind Videos, Texte, Fotografien und Zeichnungen von den Vorbereitungen bis zu den ersten fünf Tauchgängen. Zu sehen ist, wie man eine Banane unter Wasser isst oder richtig auf einen Wasserstrudel reagiert. Eine Pyramide aus 19 Sauerstoffflaschen zeigt, wie viel Sauerstoff man beim Tauchen zwischen Köln und Bonn benötigt. Eine Papierarbeit heißt "Der totale Horror" und entstand aus einem traumatischen Erlebnis bei einem Tauchgang. Ein Beweis für die Unmöglichkeit ihres Vorhabens? "Nein", sagt Hobza und lacht, "natürlich werde ich es schaffen."

Karla Hobza. Erste Anzeichen der Schwerelosigkeit. Bremen. Künstlerhaus,

bis 10.2., www.

kuenstlerhaus

bremen.de


KulturSPIEGEL 12/2012
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