26.11.2012

Allein unter Frauen

Von Dürr, Anke

Der Bonner Schauspieler Falilou Seck spielt in Sibylle Bergs böser Komödie "Die Damen warten" einen Mann für alle Lebenslagen.

D ieser Mann kann alles: Damen massieren und schminken, andere Männer verstehen und kluge Männer zitieren. Er wohnt noch bei Mama, aber er ist nicht schwul. Klar, dass dieser Mann eine Erfindung ist. Er heißt Horst und ist der einzige Vertreter seiner Gattung in Sibylle Bergs neuem Stück "Die Damen warten". Das spielt in einem etwas unheimlichen unterirdischen Wellness-Paradies, in dem sich vier Frauen, "alle unbestimmt um die/über 50" verwöhnen lassen - und sich über ihre Körper, ihre Männer und ihr Leben austauschen. Horst, der Mann, der für ihr Wohlbefinden zuständig ist, hält dagegen. In der Uraufführung, die Klaus Weise in Bonn inszeniert, wird er gespielt von Falilou Seck, 46. Der Schauspieler ist sich bewusst, dass seine Figur nah am Klischee gebaut ist: "Horst verkörpert viele Typen und auch ganz schön populistische Ansichten", sagt Seck, "aber daraus setzt sich ein komplexes Bild zusammen." Dass er farbig ist - Secks Vater stammt aus dem Senegal -, fügt seiner Rolle als Masseur scheinbar ein weiteres Klischee hinzu. Der Schauspieler hat nichts dagegen, wenn seine Hautfarbe auf der Bühne als Zeichen eingesetzt wird. So hat er etwa in Lukas Langhoffs "Volksfeind"-Inszenierung die Titelfigur gespielt; durch seine Herkunft war dieser "Volksfeind" schon als "anderer" gekennzeichnet, bevor er sich mit der Gesellschaft anlegte. Bei Bergs Stück sei das aber "gar kein Thema" gewesen. "Zum Klischee", sagt Seck, "wird der farbige Masseur erst durch die Assoziation im Kopf des Zuschauers."

Die Damen warten.

Uraufführung am 15.12. in d. Halle Beuel in Bonn. Tel. 0228/77 80 08.


KulturSPIEGEL 12/2012
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